Auf dem Sprung in die HV-Saison
Auf dem Sprung in die HV-Saison
Im letzten Jahr war die Deka für ihre Anlegerinnen und Anleger auf 31 Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften. Und in diesem Jahr werden es noch mehr werden. Bevor die Saison am 30. Januar 2026 mit Thyssen-Krupp startet, verraten Tanja Bauer und Cornelia Zimmermann aus dem Team ESG Research & Strategy, welche Themen zu erwarten sind.
Frau Bauer, Frau Zimmermann, was versprechen aus heutiger Sicht die drei spannendsten Hauptversammlungen des Jahres 2026 zu werden? Und wie wird sich die Deka hier für ihre Anlegerinnen und Anleger positionieren?
Cornelia Zimmermann: Interessant dürfte zum Beispiel die Adidas-HV werden. Da wurde zuletzt ein vielfach angekündigter Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats um ein Jahr vertagt. Jetzt sind wir gespannt, ob es diesmal gelingt, und halten daran fest, dass die Nachfolgeplanung mit Nachdruck und Erfolg abgeschlossen werden muss. Bei der Commerzbank-Hauptversammlung stehen Investoren vor der Frage, wie es mit der Beteiligung der UniCredit weitergeht. Wir legen in jedem Fall Wert darauf, dass die Rechte der Minderheitsaktionäre gewahrt bleiben und der Einfluss großer Aktionäre nicht unverhältnismäßig wächst.
Tanja Bauer: Aber auch die Hauptversammlung von Bayer ist wichtig. Denn für 2026 wird ein mögliches Grundsatzurteil des US Supreme Court im Glyphosat-Fall erwartet. Außerdem dürften auf der HV der mögliche Einsatz des in 2025 genehmigten Kapitals und der Fortschritt beim Konzernumbau im Mittelpunkt stehen.
Cornelia Zimmermann: Interessant dürfte zum Beispiel die Adidas-HV werden. Da wurde zuletzt ein vielfach angekündigter Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats um ein Jahr vertagt. Jetzt sind wir gespannt, ob es diesmal gelingt, und halten daran fest, dass die Nachfolgeplanung mit Nachdruck und Erfolg abgeschlossen werden muss. Bei der Commerzbank-Hauptversammlung stehen Investoren vor der Frage, wie es mit der Beteiligung der UniCredit weitergeht. Wir legen in jedem Fall Wert darauf, dass die Rechte der Minderheitsaktionäre gewahrt bleiben und der Einfluss großer Aktionäre nicht unverhältnismäßig wächst.
Tanja Bauer: Aber auch die Hauptversammlung von Bayer ist wichtig. Denn für 2026 wird ein mögliches Grundsatzurteil des US Supreme Court im Glyphosat-Fall erwartet. Außerdem dürften auf der HV der mögliche Einsatz des in 2025 genehmigten Kapitals und der Fortschritt beim Konzernumbau im Mittelpunkt stehen.
Tanja Bauer
Leiterin ESG Research & Strategy, Deka
Wenn man einmal übergreifend auf die Themenschwerpunkte schaut, werden sich da die Gewichte im Vergleich zu den letzten Jahren etwas verschieben, oder wird 2025 quasi fortgeschrieben?
Bauer: Klar ist: Die brisante geopolitische Lage und die Strategien der Unternehmen in diesem Umfeld bleiben wichtige Themen. Auch nicht überraschend: Die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz spielen eine zunehmend größere Rolle. Bei der Corporate Governance schauen wir immer genauer hin, wenn es um die Unabhängigkeit des Aufsichtsratsvorsitzenden geht. Da gibt es inzwischen zwar einige positive Beispiele, aber immer wieder auch Unternehmen, die weiterhin für ihren abtretenden CEO einen Posten an der Spitze des Aufsichtsrats sichern wollen. Damit wird die alte Geschäftsstrategie einbetoniert und es fehlt ein unbefangener Blick aus dem Kontrollgremium auf das Unternehmen.
Bauer: Klar ist: Die brisante geopolitische Lage und die Strategien der Unternehmen in diesem Umfeld bleiben wichtige Themen. Auch nicht überraschend: Die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz spielen eine zunehmend größere Rolle. Bei der Corporate Governance schauen wir immer genauer hin, wenn es um die Unabhängigkeit des Aufsichtsratsvorsitzenden geht. Da gibt es inzwischen zwar einige positive Beispiele, aber immer wieder auch Unternehmen, die weiterhin für ihren abtretenden CEO einen Posten an der Spitze des Aufsichtsrats sichern wollen. Damit wird die alte Geschäftsstrategie einbetoniert und es fehlt ein unbefangener Blick aus dem Kontrollgremium auf das Unternehmen.
Zimmermann: Ein weiteres langfristiges Thema ist die Individualisierung der Vorstandsvergütung. Eine erstaunlich hohe Anzahl deutscher Unternehmen zahlt den Vorstandsmitgliedern jeweils den gleichen Bonusbetrag aus – ohne dabei individuelle Ziele und Leistungen zu berücksichtigen. Solche „Einheitsboni“ entsprechen nicht unseren Vorstellungen von einer leistungsorientierten Vorstandsvergütung. Praktiken dieser Art rücken die Corporate Governance der Unternehmen in ein schlechtes Licht und können die Entwicklung des Aktienkurses negativ beeinflussen. Da werden wir uns auf der HV klar positionieren.
Dieses Jahres wollen Sie ja zusätzlich auch verstärkt im europäischen Ausland unterwegs sein?
Bauer: Richtig, im letzten Jaher waren wir schon in Österreich und Spanien unterwegs, in diesem Jahr sollen noch Frankreich und die Schweiz dazu kommen. Insgesamt haben wir unser Redner-Team verstärkt, um die Zahl unserer Redebeiträge und die Reichweite sinnvoll steigern zu können: Inzwischen zeigen – neben uns beiden – Ingo Speich, Andreas Thomae und Linus Vogel Präsenz auf den Hauptversammlungen im Namen der Deka.
Dieses Jahres wollen Sie ja zusätzlich auch verstärkt im europäischen Ausland unterwegs sein?
Bauer: Richtig, im letzten Jaher waren wir schon in Österreich und Spanien unterwegs, in diesem Jahr sollen noch Frankreich und die Schweiz dazu kommen. Insgesamt haben wir unser Redner-Team verstärkt, um die Zahl unserer Redebeiträge und die Reichweite sinnvoll steigern zu können: Inzwischen zeigen – neben uns beiden – Ingo Speich, Andreas Thomae und Linus Vogel Präsenz auf den Hauptversammlungen im Namen der Deka.
Cornelia Zimmermann auf der Fresenius-Hauptversammlung 2024
Wenn Sie auf die letzten Jahre zurückschauen, was waren die Momente, in denen Sie das Gefühl hatten, mit Ihrem Einsatz für die Interessen der Deka-Anlegerinnen und Anleger besonders erfolgreich gewesen zu sein?
Zimmermann: Wir haben uns gefreut, dass Fresenius seinen Verschuldungsgrad reduzieren konnte, nachdem wir im Vorjahr einer Aussetzung der Dividendenzahlung zugestimmt hatten. Dafür konnten unsere Kunden in diesem Jahr auf Basis einer gesünderen Bilanz eine Rekord-Dividende ernten.
Bauer: Außerdem haben wir einen wichtigen Beitrag für die deutsche Aktionärskultur geleistet: Bei der letzten Hauptversammlung von Siemens konnten wir in einer knappen Abstimmung mit unserer Gegenstimme erreichen, dass endlich wieder eine Hauptversammlung in Präsenz stattfinden wird. Zu lange hat sich das zweitgrößte deutsche Unternehmen im virtuellen Raum versteckt. Ein weiterer Erfolg war, dass Oliver Blume seine bisherige Doppelrolle als Vorstandschef von Volkswagen (VW) und Porsche endlich, wie von uns und weiteren Investoren gefordert, im Oktober 2025 aufgab und sich nun voll auf VW konzentriert. Wir hatten die Doppelrolle auf der Hauptversammlung kritisiert, weil mögliche Interessenskonflikte zwischen Konzernmutter und Tochter entstehen und beide Unternehmen nicht verantwortungsvoll von einem „Teilzeit-CEO“ geführt werden können.
Zimmermann: Aber auch bei BASF konnten wir im Sinne unserer Anlegerinnen und Anleger etwas erreichen: CEO Markus Kamieth hat in seinem ersten Jahr als CEO einige Schritte eingeleitet, die seitens Deka bereits länger gefordert wurden: Die Fokussierung auf das Kerngeschäft, eine verbesserte Kapitaldisziplin und eine angepasste Dividendenpolitik. Nicht zuletzt sind wir besonders stolz darauf, dass wir in 2024 sehr gute Bewertungen für unsere Umsetzung von Corporate Governance & Nachhaltigkeit erhalten haben. In einer Studie des Beratungsunternehmens Mercer sind wir unter 32 internationalen Asset Managern mit Platz 1 für unsere Abstimmungspolitik zur Vorstandsvergütung ausgezeichnet worden. Von der britischen NGO ShareAction erhielten wir unter 70 bewerteten Asset Managern den zehnten Platz dafür, dass wir gezielt Aktionärsanträge unterstützen, die einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit von Unternehmen leisten.
Zimmermann: Wir haben uns gefreut, dass Fresenius seinen Verschuldungsgrad reduzieren konnte, nachdem wir im Vorjahr einer Aussetzung der Dividendenzahlung zugestimmt hatten. Dafür konnten unsere Kunden in diesem Jahr auf Basis einer gesünderen Bilanz eine Rekord-Dividende ernten.
Bauer: Außerdem haben wir einen wichtigen Beitrag für die deutsche Aktionärskultur geleistet: Bei der letzten Hauptversammlung von Siemens konnten wir in einer knappen Abstimmung mit unserer Gegenstimme erreichen, dass endlich wieder eine Hauptversammlung in Präsenz stattfinden wird. Zu lange hat sich das zweitgrößte deutsche Unternehmen im virtuellen Raum versteckt. Ein weiterer Erfolg war, dass Oliver Blume seine bisherige Doppelrolle als Vorstandschef von Volkswagen (VW) und Porsche endlich, wie von uns und weiteren Investoren gefordert, im Oktober 2025 aufgab und sich nun voll auf VW konzentriert. Wir hatten die Doppelrolle auf der Hauptversammlung kritisiert, weil mögliche Interessenskonflikte zwischen Konzernmutter und Tochter entstehen und beide Unternehmen nicht verantwortungsvoll von einem „Teilzeit-CEO“ geführt werden können.
Zimmermann: Aber auch bei BASF konnten wir im Sinne unserer Anlegerinnen und Anleger etwas erreichen: CEO Markus Kamieth hat in seinem ersten Jahr als CEO einige Schritte eingeleitet, die seitens Deka bereits länger gefordert wurden: Die Fokussierung auf das Kerngeschäft, eine verbesserte Kapitaldisziplin und eine angepasste Dividendenpolitik. Nicht zuletzt sind wir besonders stolz darauf, dass wir in 2024 sehr gute Bewertungen für unsere Umsetzung von Corporate Governance & Nachhaltigkeit erhalten haben. In einer Studie des Beratungsunternehmens Mercer sind wir unter 32 internationalen Asset Managern mit Platz 1 für unsere Abstimmungspolitik zur Vorstandsvergütung ausgezeichnet worden. Von der britischen NGO ShareAction erhielten wir unter 70 bewerteten Asset Managern den zehnten Platz dafür, dass wir gezielt Aktionärsanträge unterstützen, die einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit von Unternehmen leisten.