Militärintervention im Iran.
Aktuelle Markteinschätzung.
Stand: 02.03.2026
Aktuelle Markteinschätzung zur Militärintervention im Iran.
Die USA und Israel greifen Iran an.
Die USA und Israel haben am Wochenende mit großflächigen Luftangriffen auf Ziele im Iran begonnen. Hierbei wurden auch der geistliche Führer des Irans, Ali Khamenei, und andere Führungsleute getötet. Der Schwerpunkt der Angriffe lag auf der militärischen Infrastruktur Irans, insbesondere Abschussanlagen für ballistische Raketen und Luftabwehr. Iran hat seinerseits mit Angriffen auf Israel und benachbarte Länder reagiert, wobei die betreffenden Flugkörper weitgehend abgefangen werden konnten. Bis auf einzelne unsystematische Ausnahmen ist es bisher nicht zu den befürchteten Schäden an der Ölinfrastruktur der arabischen Ölproduzenten gekommen. Die Meerenge „Straße von Hormus“, durch die rund 20 % des globalen Ölhandels transportiert werden, wurde allerdings seit Beginn der Kämpfe nur noch von wenigen Öltankern passiert.
Begrenzte Bedrohung für den globalen Ölmarkt.
Hauptszenario (90 % Eintrittswahrscheinlichkeit).
Unser Hauptszenario geht davon aus, dass die Angriffe noch einige Tage, höchstens wenige Wochen anhalten. In diesem Szenario wird es Iran auch weiterhin nicht gelingen, Ölförder- oder exportanlagen in größerem Umfang zu zerstören. Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus normalisiert sich innerhalb von wenigen Wochen, weil die USA in der Lage sind, die vom Iran ausgehende Gefahr für den Schiffsverkehr nachhaltig einzudämmen. Den USA gelingt zwar kein Regimewechsel, der im Iran eine moderate Regierung bringen würde, doch die militärischen Kapazitäten Irans werden massiv geschwächt.
Länger anhaltende Bedrohung.
Negativszenario (10 % Eintrittswahrscheinlichkeit).
Im Negativszenario führen die USA die Kämpfe länger als drei Wochen fort, um die iranische Führung zu umfassenden Zugeständnissen zu zwingen, oder setzen den Angriff sogar durch Bodentruppen fort, was die Kriegsperspektive auf Monate oder Jahre hin ausdehnen würde. Die iranische Führung lenkt jedoch nicht ein. Die militärischen Fähigkeiten des Irans zeigen sich im Zeitverlauf wesentlich stärker als zu Beginn des Konflikts, und es gelingt dem Iran, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus für längere Zeit zu unterbinden. Gleichzeitig schafft es Iran, Ölförder- oder Exportanlagen in der Region systematisch auszuschalten.
Kapitalmarktreaktionen.
Die deutlichste Reaktion an den Finanzmärkten zeigt sich derzeit am Ölmarkt. Der Preis für Rohöl ist in einer ersten Reaktion um rund 10 % angestiegen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich der Preis angesichts der
wachsenden Gefahr einer Eskalation spürbar nach oben bewegt. Der Ölpreis bleibt damit ein wichtiger Indikator für die Einschätzung der Weltwirtschaft durch die Kapitalmärkte. Der aktuelle Anstieg signalisiert die Erwartung einer begrenzten, vorübergehenden Unterbrechung, nicht jedoch von strukturellen oder längerfristigen Versorgungsengpässen. Diese wären erst zu erwarten, wenn es dem Iran gelänge, gezielt und systematisch die Ölinfrastruktur in der Region anzugreifen – was derzeit nicht der Fall ist.
Entsprechend moderat fallen bislang die übrigen Marktreaktionen aus. Klassische Risiko-off-Anlagen wie Gold verzeichnen Zugewinne, während sich bei anderen sicheren Häfen kaum Preisbewegungen zeigen. Weder die Kurse von Bundesanleihen noch von US-Treasuries legen nennenswert zu. Auch an den Devisenmärkten bleiben die Ausschläge gering: Der US-Dollar gewinnt lediglich rund 1 % gegenüber anderen Währungen.
Die Aktienmärkte notieren mit Abschlägen von etwa 2 % in Asien und Europa; in den USA liegen die Futures ebenfalls rund 2 % im Minus. Die impliziten Volatilitäten steigen an, allerdings nur in moderatem Umfang. Insgesamt verlaufen die ersten Kapitalmarktreaktionen geordnet und bleiben – gemessen am Ausmaß – überschaubar.
Fazit.
Wir gehen von einem zeitlich und räumlich begrenzten Militärkonflikt aus, der weltwirtschaftlich kaum Auswirkungen mit sich bringt. Gegenwärtig gibt es wenig Anzeichen dafür, dass sich das Risikoszenario materialisieren würde. Eine Anpassung von Anlagestrategien ist weder strategisch-längerfristig noch taktisch-kurzfristig angeraten. Allerdings ist die Risikoeinschätzung des Angriffs auf den Iran angesichts der Dimension des Militäreinsatzes und der generell fragilen Lage im Nahen Osten fortlaufend zu überprüfen. Eine intensive Beobachtung der Lage ist notwendig.