Krieg im Nahen Osten.

Aktuelle Markteinschätzung.

Stand: 08.04.2026

Aktuelle Markteinschätzung zum Krieg im Nahen Osten.

USA und Iran einigen sich auf zweiwöchige Waffenruhe.

Die USA und Iran haben sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. In dieser Zeit soll ein Friedensplan verhandelt werden, wobei die Positionen bislang weit auseinander liegen. Iran will Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus gegen die Entrichtung einer Gebühr erlauben. Die zukünftige Kontrolle über die Straße von Hormus dürfte ein Hauptstreitpunkt in den anstehenden Gesprächen sein.

Waffenruhe hält, Energiemarkt normalisiert sich allmählich.

Hauptszenario (75 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Wir behalten unser Hauptszenario eines regional und zeitlich begrenzten Militärkonflikts bei. Die Waffenruhe geht in einen Nachkriegszustand über, in dem die Anzahl von Transporten durch die Straße von Hormus wieder deutlich ansteigt. Wegen der technischen und logistischen Schwierigkeiten bei der Wiederaufnahme von Produktion, Transport und Weiterverarbeitung von Rohöl dauert es allerdings bis in die zweite Jahreshälfte, bis sich das Angebot am globalen Ölmarkt weitgehend normalisiert. Bei Erdgas wird die Rück-kehr zur Normalität wegen der teilweisen Zerstörung einer großen Gasverflüssigungsanlage in Katar dagegen noch längere Zeit brauchen. Es dürfte bis ins kommende Jahr dauern, bis die Preise an den Energiemärkten eine nachhaltige Entspannung auf breiter Basis anzeigen. Dementsprechend fallen die Konjunkturprognosen für das Jahr 2026 für die USA, Europa und Asien niedriger, die Inflationsprognosen höher aus als vor dem Konflikt. Die Korrekturen bleiben jedoch moderat.

Scheitern der Friedensgespräche, Wiederaufnahme der kriegerischen Handlungen.

Negativszenario (15 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Im Negativszenario scheitern die Friedensverhandlungen, und es kommt zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Rohöl- und Erdgaspreise steigen auf neue Höchst-stände. Es gelingt auch im späteren Jahresverlauf 2026 keine Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Zudem führen größere Militärschläge Irans gegen die Öl- oder Gasförderkapazitäten der arabischen Nachbarn zu einer länger anhaltenden Einschränkung des Angebots von Erdöl, Erdgas und anderen Rohstoffen. In diesem Szenario haben Rohölpreise von deutlich über 150 US-Dollar pro Barrel über einen längeren Zeitraum gravierende konjunkturelle Folgen bis hin zu einer globalen Rezession. Insbesondere die Volkswirtschaften Europas und Asiens wären stark betroffen. 

Schnelle Normalisierung an den Energiemärkten.

Positivszenario (10 % Eintrittswahrscheinlichkeit).

Im Positivszenario erholt sich das Angebot an Rohöl, Erdgas und anderen Chemieprodukten aus dem Golf innerhalb kurzer Zeit, so dass es bereits in den nächsten Wochen zu einem Rückgang der Energiepreise auf das Vorkriegsniveau kommt. Die Kosten für die Weltwirtschaft fallen entsprechend geringer aus als im Hauptszenario. 

Kapitalmarktreaktionen.

Die Kapitalmärkte haben mit Erleichterung auf die Bekanntgabe der zweiwöchigen Waffenruhe reagiert. Die Hoffnungen sind offensichtlich groß, dass die Straße von Hormus dauerhaft wieder nutzbar ist und der Konflikt weit-gehend beigelegt wird. Der Rohölpreis der Sorte Brent fiel nach der Einigung auf die Waffenruhe deutlich unter 100 US-Dollar. Der europäische Erdgaspreis gab moderat nach. Mit den gesunkenen Inflationsrisiken sind die Renditen für Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit deutlich zurück-gegangen, stärker als die entsprechenden Renditen von US-Staatsanleihen.

Zu spürbaren Anstiegen kam es als erste Reaktion auf den Waffenstillstand beim Goldpreis und weltweit an den Aktienmärkten. Der Euro verbuchte gegenüber dem US-Dollar ein deutliches Plus. 
 

Fazit.

Die Zeichen stehen nach der Einigung auf die Waffenruhe auf Entspannung. Doch angesichts der fragilen Situation im Nahen Osten ist weiterhin mit hoher Unsicherheit zu rechnen. Insofern gehen wir nach wie vor von überdurchschnittlich hohen Kursschwankungen aus. Anlegerinnen und Anleger sind weiterhin gut beraten, ihre Portfolios breit zu streu-en und regelmäßig zu investieren, um potenziellen neuen Schocks möglichst gut begegnen zu können. Aus geopolitischen Ereignissen lassen sich systematisch keine Überrenditen erzielen. Nach dieser Devise haben die meisten Aktionärinnen und Aktionäre in den vergangenen Wochen auch gehandelt. 

Aktuelle Markteinschätzung von Dr. Kater im Podcast.