Stand: 06.03.2026
Aktuelle Markteinschätzung zur Militärintervention im Iran.
Die USA und Israel greifen Iran an.
Die USA und Israel haben Ende Februar mit großflächigen Luftangriffen auf Ziele im Iran begonnen. Hierbei wurden auch der geistliche Führer des Irans, Ali Khamenei, und andere Führungsleute getötet. Im Gegensatz zu einigen Hoffnungen erscheint das Regime im Iran dennoch intakt und zu weiterem Widerstand bereit und fähig. Der Schwerpunkt der Angriffe lag auf der militärischen Infrastruktur Irans, insbesondere Abschussanlagen für ballistische Raketen und Luftabwehr. Iran hat seinerseits mit Angriffen auf Israel und benachbarte Länder reagiert, wobei die betreffenden Flugkörper weitgehend abgefangen werden konnten. Bis auf einzelne Ausnahmen (bspw. Erdgasverflüssigung in Katar oder Aramco in Saudi-Arabien) ist es bisher zu keinen nennenswerten Ausfällen bei der Öl- und Gasinfrastruktur im Nahen Osten gekommen. Die Meerenge „Straße von Hormus“, durch die rund 20 % des globalen Ölhandels transportiert werden, ist derzeit allerdings faktisch unpassierbar.
Begrenzte Bedrohung für den globalen Ölmarkt.
Hauptszenario (90 % Eintrittswahrscheinlichkeit).
Unser Hauptszenario geht davon aus, dass die Angriffe noch einige Tage, höchstens wenige Wochen anhalten. In diesem Szenario wird es dem Iran auch weiterhin nicht gelingen, Ölförder- oder exportanlagen in größerem Umfang zu zerstören. Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus normalisiert sich innerhalb von wenigen Wochen, weil die USA in der Lage sind, die vom Iran ausgehende Gefahr für den Schiffsverkehr nachhaltig einzudämmen. Den USA gelingt zwar kein Regimewechsel, der im Iran eine moderate Regierung bringen würde, doch die militärischen Kapazitäten Irans werden massiv geschwächt.
Länger anhaltende Bedrohung.
Negativszenario (10 % Eintrittswahrscheinlichkeit).
Im Negativszenario führen die USA die Kämpfe länger als wenige Wochen fort, um die iranische Führung zu umfassenden Zugeständnissen zu zwingen, oder setzen den Angriff sogar durch Bodentruppen fort, was die Kriegsperspektive auf Monate oder Jahre hin ausdehnen würde. Die iranische Führung lenkt jedoch nicht ein. Die militärischen Fähigkeiten des Irans zeigen sich im Zeitverlauf wesentlich stärker als zu Beginn des Konflikts, und es gelingt dem Iran, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus für längere Zeit zu unterbinden. Gleichzeitig schafft es der Iran, Ölförder- oder Exportanlagen in der Region systematisch auszuschalten.
Kapitalmarktreaktionen.
Bereits in den Wochen vor dem Angriff hatte sich vor allem der Ölpreis angesichts der wachsenden Gefahr einer Eskalation spürbar nach oben bewegt. Auch als Reaktion auf den Krieg zeigten sich die stärksten Bewegungen an den Finanzmärkten bislang am Öl- und am Gasmarkt. Die Ölpreise sind in den vergangenen Tagen deutlich angestiegen, der europäische Gaspreis hat sich vorübergehend sogar beinahe verdoppelt, ging dann aber wieder etwas zurück. Die Entwicklung der Energiepreise steht weiterhin im Einklang mit der Erwartung einer begrenzten, vorübergehenden Unterbrechung und spiegelt nicht die Erwartung von strukturellen oder längerfristigen Versorgungsengpässen wider. Diese wären erst dann zu erwarten, wenn die Straße von Hormus für lange Zeit unpassierbar bliebe oder es dem Iran gelänge, gezielt und systematisch die Ölinfrastruktur in der Region lahmzulegen.
Die übrigen Marktreaktionen bleiben weiterhin vergleichsweise moderat. Die „sicheren Häfen“ Gold, US-Anleihen und Bunds verzeichneten zu Beginn des Konflikts Zugewinne, verloren aber danach wieder. Bei Staatsanleihen waren insbesondere aufkommende Inflationsängste die Ursache für die Marktbewegungen.
An den Devisenmärkten war lediglich eine moderate Aufwertung des US Dollar zu beobachten. Der Schweizer Franken erreichte dagegen zum Euro ein neues Rekordhoch.
An den Aktienmärkten kam es in Asien zu den stärksten Abschlägen, allerdings waren dort zuvor die Kurse auch sehr kräftig angestiegen. In Europa und vielmehr noch in den USA blieben die Kursrückgänge insgesamt moderat. Damit reagieren die Kapitalmärkte weiterhin besonnen. Angesichts der großen Unsicherheit, die auch nach der ersten Kriegswoche herrscht, werden die Kapitalmärkte jedoch insgesamt volatil bleiben.
Fazit.
Wir gehen weiterhin von einem zeitlich und räumlich begrenzten Militärkonflikt aus, der weltwirtschaftlich kaum Auswirkungen mit sich bringt. Gegenwärtig gibt es wenig Anzeichen dafür, dass sich das Risikoszenario materialisieren würde. Eine Anpassung von Anlagestrategien ist weder strategisch-längerfristig noch taktisch-kurzfristig angeraten. Insbesondere Aktien-Sparpläne sollten fortgeführt werden. Allerdings ist die Risikoeinschätzung des Angriffs auf den Iran angesichts der Dimension des Militäreinsatzes und der generell fragilen Lage im Nahen Osten fortlaufend zu überprüfen. Eine intensive Beobachtung der Lage bleibt notwendig.
