Katers Welt.

Aktuelle Markteinschätzung von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Stand: 4. September 2026

Unerfreuliche Börsenwoche.

An den Aktienmärkten nahm die vergangene Handelswoche für weite Strecken einen unangenehmen Verlauf. Obwohl die Lage im Persischen Golf schon lange keine zentrale Bedeutung mehr an den Kapitalmärkten spielt, verhagelte ein Rohölpreis nahe der 100 US-Dollar-Marke vor dem Hintergrund neuer gegenseitiger Angriffe zwischen den USA und dem Iran den Börsianern die Stimmung. Diese schlechte Stimmung könnte sich schnell wieder aufhellen, wenn die militärischen Aktionen abflauen, denn dann erhöht sich erfahrungsgemäß die Transportmenge durch die Straße von Hormus erheblich. Langfristig erwarten immer weniger Teilnehmer an den Kapitalmärkten, dass dieser Transportweg jemals wieder seine frühere Bedeutung erlangt. Es wird erwartet, dass der Iran die Seestraße langfristig als geopolitisches Instrument gebrauchen wird. Die Länder und Unternehmen der Region passen sich an, über die nächsten Jahre werden alternative Logistikstrukturen entwickelt. Darüber hinaus gilt die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte den Zinsmärkten. Nach dem Chaos der ersten Pressekonferenzen des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh war dieser um Schadensbegrenzung bemüht. Warsh erklärte, dass die Inflationsbekämpfung gegenwärtig wichtiger sei als die Rücksicht auf die Konjunktur und kündigte damit quasi eine zeitnahe Erhöhung der Leitzinsen an. Dies brachte etwas Vertrauen in die US-Geldpolitik zurück. Ohne dass die US-Regierung ihre übermäßige Schuldenaufnahme zurücknimmt, werden allerdings die Zinsen für Kredite nicht wieder auf ihre niedrigen Niveaus der letzten Jahre zurückkehren. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte zwar eine Konsolidierung seines Staatshaushalts an. An den Finanzmärkten sind solche Ankündigungen mittlerweile aber nichts mehr wert. Zu oft ist man in der Vergangenheit enttäuscht worden. Hier zählen nur noch tatsächliche Ergebnisse.

In der kommenden Woche gibt es Konjunkturnachrichten aus Deutschland. Die Wirtschaft befindet sich trotz aller strukturellen Hemmnisse in einer Erholungsphase. Ob dies auch im September weitergeht, wird der Sentix-Konjunkturindex verraten. Und am Donnerstag wird die EZB die Leitzinsen bei ihrer Ratssitzung um ein viertel Prozentpunkt anheben, da sich seit der Zinspause im Juli der Inflationsausblick nicht spürbar verbessert hat.

Die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh, die auf eine Leitzins-Erhöhung hinweisen, bringen wieder etwas Vertrauen in die US-Geldpolitik zurück.

Dr. Ulrich KaterChefvolkswirt der DekaBank

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