Stand: 08. Mai 2026
Bockstarke US-Berichtssaison.
Nach wie vor liegt das Hauptaugenmerk der Kapitalmarktteilnehmer auf dem Irankrieg. Im Hauptszenario sehen die Märkte perspektivisch wieder Schiffsverkehr in der Straße von Hormus. Dann können Energiepreise allmählich sinken, Aktienkurse steigen, Leitzinserhöhungserwartungen zurückgenommen werden und sich Kapitalmarktrenditen verringern. In diesem indes noch nicht final geklärten geopolitischen Umfeld reagierten Umfrageindikatoren überwiegend negativ. Demgegenüber hält sich die wirtschaftliche Aktivität insgesamt noch recht widerstandsfähig. Die Auftragseingänge wurden für die USA und für Deutschland positiv gemeldet.
So groß die Unwägbarkeiten im Nahen Osten auch aufgrund der erratischen Kommunikation von US-Präsident Trump noch sind, bleiben die Rentenmärkte nervös, wohingegen sich die Aktienmärkte freundlich zeigen. Anders formuliert: Die Berichtssaison der US-Unternehmen für das erste Quartal dieses Jahres ist bockstark ausgefallen und ließ die Anleger den Krieg im Nahen Osten und die hohen Ölpreise weitgehend vergessen. Entsprechend sprangen die US-Indizes, angeführt von Tech-Aktien, insbesondere Halbleiter-Aktien, von Rekordhoch zu Rekordhoch. Nicht nur die Gewinn- und Umsatzzahlen für das abgelaufene Quartal treiben die Kurse, sondern auch die konstruktiven Ausblicke und positiven Gewinnrevisionen. Um etwas Wasser in den edlen Wein dieser Berichtssaison zu gießen: Sie ist im Wesentlichen eine Folge des KI-Hypes. Von den 22 Prozent Gewinnwachstum stammen 12,4 Prozentpunkte aus dem IT-Sektor.
Die europäischen Unternehmen konnten in der Berichtssaison zwar nicht mit den USA mithalten, aber doch positiv überraschen. Demgegenüber enttäuschten die Unternehmen im DAX. Deutschland hängt wirtschaftlich zurück, und auch gerade bekannt gewordene Steuerschätzung weist auf größere Haushaltslöcher und entsprechend umfassenden Reformbedarf für den Standort Deutschland hin. Die zur Veröffentlichung anstehenden ZEW-Konjunkturerwartungen mögen zwar zulegen, doch im frostigen Niveau verbleiben. Blicken die Finanzmarktteilnehmer dann auf die US-Verbraucherpreise für April, dürfte deren absehbarer Anstieg den politischen Druck auf eine Einigung der USA mit dem Iran erhöhen. Denn die Bezahlbarkeit des täglichen Lebens ist auch für das Wahlvolk jenseits des Atlantiks ein sehr sensibles Thema.
Das erste Quartal ist für die US-Unternehmen bockstark ausgefallen und ließ die Anleger den Krieg im Nahen Osten und die hohen Ölpreise weitgehend vergessen.


