16.12.2021

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4 Min.

"Die Konjunktur sieht positiv aus"

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2022 stehen wichtige Weichenstellungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an, die Börsenkurse und Geldanlagen beeinflussen werden. Ralf Dietl, Head of Equities bei der Deka Investment, beschreibt, wie das Fondsmanagement sich auf diese Veränderungen einstellt - und manchen Trend sogar selbst mit anschiebt.

Die Stärke eines aktiven Fondsmanagements liegt neben  Datenanalysen auch im direkten Austausch mit dem Top-Management der Unternehmen. Kommen sie derzeit einfach an ihre Informationen?

Keine Frage: Auf Präsenzmeetings und Reisen zu Unternehmenskonferenzen müssen wir leider verzichten. Durch die neuen digitalen Formen haben wir unterm Strich jedoch eher mehr Zugang zu Unternehmen als vor der Krise.

Wie das?

Da man vormittags auf einer Konferenz in Stockholm sein kann und nachmittags in New York – und das anders als vor Corona viel öfter aktiv angeboten, organisiert und genutzt wird, ergibt sich eine Chance für aktive professionelle Investoren, mehr zu erfahren. Trotzdem sind die persönlichen Treffen nicht voll zu ersetzen und können hoffentlich auch bald wieder stattfinden. 

Ihre Kollegen aus der Volkswirtschaft erwarten, dass die Notenbanken im kommenden Jahr wesentlich den Kurs der Wirtschaft beeinflussen werden. Stichwort: Inflationsbekämpfung. Spielt das für das Fondsmanagement bei der Auswahl der Anlagen auch eine so große Rolle?

 

Natürlich. Neben den Auswirkungen auf die Geldpolitik ist Inflation auch in der Einzeltitelanalyse extrem relevant. Es ist aber nicht eindimensional in dem Sinn, dass Unternehmen mit steigenden Kosten für Vorprodukte darunter leiden. Vielmehr trennt sich hier die Spreu vom Weizen: Unternehmen mit wirklich guten Management-Teams und einem gesunden Wettbewerbsumfeld können ganz gut mit der Situation umgehen, Preiserhöhungen weitergeben und eventuell sogar die Margen steigern. Andere schaffen das nicht und müssen die Kosten absorbieren.

Indem sie weniger Gewinn in Kauf nehmen?

Ja. Generell nehmen wir aktuell aber von den Unternehmen wahr, dass die Preise im großen Stil weitergegeben werden – und dieser Prozess gerade erst begonnen hat. Der Konsument scheint dies bis jetzt zu akzeptieren.

Weil er im Lockdown nicht so viel ausgeben konnte?

Das gilt offenbar für viele Verbraucherinnen und Verbraucher; in der Summe ist ihre Kaufkraft unter anderem durch krisenbedingtes Sparen so hoch wie lange nicht.

Welche Branchen sind denn besonders interessant? 

Es ist ganz klar: Der Einfluss von Zentralbanken auf den Aktienmarkt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Die stetig fallenden Zinsen haben jene Teile spürbar angeschoben, deren Bewertung stark von zukünftigen Erträgen abhängt. 

Also beispielsweise Teile der Digitalwirtschaft?

Sicherlich, aber das birgt auch Gefahren. Sollte sich am Zinsumfeld deutlich etwas ändern, können diese Titel unter Druck kommen. Im Gegenzug dürften sich Aktien besser entwickeln, die schon heute hohe Cash-Flows erzielen.

Also alle, die in einer Periode tatsächlich viel Geld in realen Geschäften bewegt und erwirtschaftet haben?

Ja. Dieses Phänomen konnte man schon in diesem Jahr an Tagen mit starken Zinsanstiegen beobachten.

Wird der Höhenflug der Digitalbranche 2022 anhalten?

Man muss schon zwischen Aktienkursen und realer Entwicklung der Unternehmen unterscheiden. Letztere ist vollkommen intakt. Aber die digitale Transformation ist generell wohl einer der stärksten Wachstumstrends, die wir haben. Fundamental sind Technologie- und Digitalunternehmen viel gesünder als zu Zeiten der Spekulationsblase im Jahr 2000. 

Das ergibt die Analyse der harten Geschäftszahlen?

Genau. In diesem Segment gibt es aber auch mit Sicherheit den ein oder anderen Titel, der schlichtweg zu hoch fliegt und zu teuer geworden ist. Hier können dann schon minimale Änderungen am Wachstumsprofil zu starken Korrekturen führen. Aber Digitalisierung ist ja auch noch mehr als nur Technologiefirmen – und das werden wir gerade 2022 noch stärker sehen.

Klimaschutz ist ein weiterer Megatrend – und die neue Bundesregierung hat ihn besonders im Fokus. Auch die Klimakonferenz von Glasgow hat mit dem Abschied von der Kohle hier Zeichen gesetzt. Inwieweit bestimmt er auch den Kurs des Deka-Fondsmanagements? 

Ein Beispiel: Unser Fondsmanagement hat sich bereits im Frühjahr 2020 klare Regeln zum Umgang mit Emittenten gegeben, die Umsätze mit Kohle generieren. Bei unseren aktiv gemanagten Publikumsfonds investieren wir nicht mehr in Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihrer Umsätze in der Kohleförderung und 40 Prozent der Umsätze in der Kohleverstromung machen. Und in unseren nachhaltigen Fonds können sich Anlegerinnen und Anleger darauf verlassen, dass Investitionen in Kohleförderung komplett ausgeschlossen sind. Wir setzen uns für eine möglichst umfassende Klimaneutralität ein und werden 2022 gerade bei energieintensiven Geschäftsmodellen noch genauer hinschauen.

Ralf Dietl, Head of Equities bei der Deka Investment

"Die digitale Transformation ist generell wohl einer der stärksten Wachstumstrends, die wir haben."

Und Einfluss auf das Unternehmensmanagement nehmen? 

Das ist ein Vorteil eines aktiven Fondsmanagements – gerade für den nachhaltig orientierten Investor. Wir haben mehr als 1.500 Unternehmenskontakte mit Vorständen pro Jahr. Dort thematisieren wir die Aspekte von Ökologie und Sozialem im direkten Dialog. Zusätzlich stimmen wir weltweit auf Hauptversammlungen ab und nutzen die Expertise unseres Nachhaltigkeitsteams.

Von diesen Aktivitäten sollten ihre Kundinnen und Kunden ja bald noch mehr hören. 2022 werden mit einer Novelle der Europäischen Finanzmarktrichtlinie Mifid II ja auch Nachhaltigkeitspräferenzen noch stärker in den Beratungsprozess einfließen.  

Stimmt – unter MiFID II wird die Nachhaltigkeitspräferenz in der Anlageberatung abgefragt. Mit Blick darauf haben wir ein sehr breites Produktangebot entwickelt, um die Sparkassen-Kundinnen und Kunden bestmöglich zu unterstützen.

Die Deka-Volkswirte sehen den Dax Ende 2022 mehr als 1000 Punkte über dem gegenwärtigen Stand. Erwarten Sie für die Deka-Fonds auch ein erfreuliches Jahr?

Das konjunkturelle Bild sieht derzeit für das kommende Jahr grundsätzlich positiv aus. Sollte sich die neue Virusvariante mit Impfungen wirksam eindämmen lassen, kann mit einer Fortsetzung des Gewinnwachstums seitens der Unternehmen gerechnet werden. Das dürfte die Aktienkurse weiter unterstützen. Sollten die Notenbanken aber gezwungen sein, stärker gegen die Inflation „ankämpfen“ zu müssen, könnte dies die Kurse belasten und temporär auch zu stärkeren Verwerfungen führen. Das könnten aus unserer Sicht dann wieder besonders attraktive Niveaus werden, um Aktien hinzuzukaufen – eine Gelegenheit, die es in den vergangenen 12 Monaten kaum gab.

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