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11.04.2022

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3 Min.

"Langfristig sind die Zahlen grün"

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Wer auf langfristige Vermögensbildung am Finanzmarkt setzt, kann Turbulenzen gelassener sehen. Experten des Deutschen Aktieninstitutes haben vor Jahrzehnten einen Indikator entwickelt, der diesen Effekt belegt. Er zeigt auch, was beim Anlegen falsch gemacht werden kann.

Die politische Lage ist hoch explosiv. Konflikte eskalieren, leider auch militärisch. Der Welthandel stockt. Die Preise steigen und steigen, nicht zuletzt die für Öl. Die Folge ist ein drastischer Kurs-Einbruch an den internationalen Börsen. Vielen Menschen wird es sehr mulmig – zurückhaltend ausgedrückt.

Diese Szene spielt 1973. Nach dem Ölembargo arabischer Länder und dem militärischen Nahostkonflikt sind etwa die Kurse der 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen im S&P 500 fast schlagartig um 30 Prozent eingebrochen. Ein schlimmer Verlust. Aber nur für den, der kurz vor der Krise große Aktienpakete gekauft – und sie direkt nach dem Ölpreis- schock wieder abgestoßen hat. Wer dagegen die Unternehmensanteile im S&P 500 sozusagen unter das virtuelle Kopfkissen gelegt hat, wacht heute auf und wäre bei einem Verkauf um 3900 Prozent reicher. So stark sind die Kurse seither gestiegen.

„Krisen sind die Ausnahme, nicht die Regel“, sagt Gerrit Fey. Der Leiter Fachbereich Kapitalmärkte beim Deutschen Aktieninstitut (DAI) kann das objektiv belegen – seit mehr als 25 Jahren. Die Börsenspezialisten haben Ende der Neunziger Jahre eine Abbildung entwickelt, der zurückgerechnet auf 50 Jahre zeigt, wie sich eine Anlage in die Aktien des Dax im Schnitt des Investitionszeitraumes entwickelt hätte: das Rendite-Dreieck.

Gerade erst haben die Experten ihre Bilanz für den Stichtag 31.Dezember veröffentlicht. Ihre wichtigste Erkenntnis: Bei einer Spardauer von 20 Jahren konnten Anlegerinnen und Anleger in der Vergangenheit eine durchschnittliche Rendite von 8,7 Prozent im Jahr mit dem angelegten Geld erwirtschaften. Fey blickt deshalb auch auf die Börsen-Turbulenzen in Folge der vergangenen zwei Jahre mit Corona, Versorgungskrisen und Ukraine-Krieg aus reiner Perspektive des Anlegenden gelassen zurück: „Natürlich sind Kursentwicklungen der Vergangenheit nicht einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Aber bisher haben sich die Kurse nach Krisen immer erholt, sodass man mit einem breit gestreuten Aktienportfolio langfristig immer gut gefahren ist.”

Vorsichtig agieren, Ruhe bewahren

Das weiß auch Joachim Schallmayer. Der Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka rät angesichts der aktuellen Turbulenzen im Zuge des Ukrainekrieges mittel- und langfristig orientierten Anlegerinnen und Anlegern: „Vorsichtig agieren, Ruhe bewahren, weder Einzelaktien noch Fondsanteile und ETF-Indexfonds verkaufen.“ Denn bei einem langfristigen Horizont der Vermögensbildung fallen punktuelle Korrekturen kaum ins Gewicht.

Warum der subjektive Eindruck in solchen Phasen oft ein an derer ist? Börsenabstürze sind meist mit politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Krisen verbunden „und die schaffen es auf Seite 1 der Zeitungen“, so Fey. Die Erholung an den Börsen oder gemächliche Kurssteigerungen interessieren da gegen weniger. „Auf lange Sicht sind die Zahlen aber grün“, so der DAI-Experte. Schon nach zwölf Jahren Anlagedauer sind im aktuellen Rendite-Dreieck mit seiner breit gestreuten Aktienanlage alle möglichen Jahresrenditen immer im Plus.

Auch Fey selbst hat nach dem zwischenzeitlichen Kurseinbruch in Folge des Ukrainekrieges um sein eigenes Geld keine Sorge. Erstens seien solche Kursverluste ja keine realen Einbrüche, weil sein Erspartes an der Börse langfristig arbeiten soll – daher hat Fey an einen Verkauf nie gedacht. Und zweitens investiert der Experte selbst über stetige Einzahlungen in Form eines Sparplans. Diese Form der Anlage bietet etwa die Deka auf viele ihrer Fonds. So kann der Anlegende den Cost-Average-Effekt als stabilisierenden Faktor nutzen: Mit dem festen Betrag pro Monat wer den Fondsanteile gekauft, die darin enthaltenen Aktien werden breit in Märkte oder auf bestimmte Anlageinteressen gestreut. Fallen die Kurse an den Börsen, erhalten die Investierenden deutlich mehr Anteile für ihr Geld. Bei steigenden Kursen kaufen sie entsprechend eine geringere Anzahl an Papieren. Über einen längeren Zeitraum betrachtet zahlen Anlegerinnen und Anleger einen Durchschnittspreis für die Anteile – und Einbrüche haben nicht die gleiche Bedeutung wie für einen Anlegenden, der das Papier in einer Summe kurz vor einem Crash gekauft hätte.

Diesen Effekt misst das DAI seit einigen Jahren auf Anregung der Deka auch in einer Variante des Rendite-Dreiecks: Dabei wird ebenfalls nachgerechnet, wie sich der Wert des Aktiendepots aus Dax-Aktien verändert hätte, wenn über den gesamten Zeitraum Monat für Monat die gleiche Summe investiert worden wäre.

Notgroschen von drei Monats-Ausgaben

Für all diese finanzielle Langmut ist es nötig, dass Aktien nicht die einzige Geldanlage sind, betont auch der eingefleischte Börsianer Fey. Und neben einer Streuung des Vermögens auch auf andere Anlageklassen wie etwa Immobilien oder festverzinsliche Wertpapiere sollten Anlegende auch einen Notgroschen von mindestens drei Monats-Gesamtausgaben verfügbar halten.

Eines bleibe bei der Geldanlage an den Börsen sicher, so Fey: „Nach der Krise ist vor der Krise – aber dazwischen kann sich Kapital vermehren, wenn es stetig in Erspartes am Finanzmarkt fließt. Und das wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch.“

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