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28.11.2022

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4 Min.

Die Trends im Hochhausbau

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Der Preis für das weltweit innovativste Hochhaus geht nach Sydney. Dort ist auf den Resten eines alten Wolkenkratzers ressourcenschonend ein neues entstanden. Damit beim Neubau von Hochhäusern künftig Zeit und Kosten gespart werden können, setzen Investoren und Architekten vor allem auf Upcycling und Nachhaltigkeit. 

218 Meter hoch, eine Glas- und Stahlstruktur, oben mit dreieckigem Aufbau, unten mit viereckiger Grundfläche – das ist der Quay Quarter Tower in Sydney. Seine Architekten vom Büro 3XN sitzen im dänischen Kopenhagen. Den Preis dafür, das weltweit innovativste Hochhaus gebaut zu haben, haben die Architekten im November in der Frankfurter Paulskirche erhalten. Die Deka verleiht den Internationalen Hochhaus Preis (IHP) alle zwei Jahre gemeinsam mit der Stadt Frankfurt und dem Deutschen Architekturmuseum.

Was ist so innovativ an dem Bauwerk in Sydney? Wohin gehen die Trends im Hochhausbau? Und: Liegen Hochhäuser überhaupt im Trend? Die erste Frage hat die Jury beantwortet. Der Quay Quarter Tower entstand auf dem Rohbau eines bestehenden Gebäudes aus den 1970er-Jahren. Die Architekten Kim Herforth Nielsen und Fred Holt von 3XN haben ein neues Hochhaus darauf errichtet, das die Bruttogeschossfläche bei gleicher Grundfläche vergrößert und Materialien des Vorgängers wiederverwendet. Träger, Platten und Teile des Kerns wurden erneut benutzt, sodass mehr als 12.000 Tonnen Kohlenstoff eingespart werden konnten – das entspricht 8.800 Flügen zwischen Berlin und Sydney. 

„Upcycling und Nachverdichtung“, das ist es, was der IHP-Jury besonders gefallen hat – und das beschreibt auch die Trends, die den Hochhausbau derzeit kennzeichnen. Was im Zentrum Sydneys zu besichtigen ist, trifft auf die Wolkenkratzer von der Ostküste der USA über den arabischen Raum bis zu den Hochhäusern Tokios zu: Viele Türme, die im vergangenen Jahrhundert entstanden sind, stoßen an die Grenzen ihrer Funktionsfähigkeit. Dadurch, dass in Sydney ein bestehender Turm, der einer zeitgemäßen Nutzung nicht mehr entsprach, „in eine neue Form und einen neuen Charakter verwandelt“ wurde, konnte „seine Lebensdauer bis weit in die Zukunft verlängert“ werden, sagt Architekt Kim Herforth Nielsen. Dr. Matthias Danne, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der DekaBank, spricht von „nachhaltiger und ressourcenschonender Architektur“. Und Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, erklärt den Trend so: Bald werde die Welt etwa drei Milliarden Menschen unter 18 Jahren unterbringen müssen, das entspreche der gesamten Weltbevölkerung im Jahr 1930. „Das bedeutet, dass wir unsere Städte nachverdichten müssen. Um dies zu erreichen, müssen wir schlicht und einfach höher bauen. Das wird der Normalfall werden“, meint Schmal.

„Um eine Nachverdichtung zu erreichen, müssen wir schlicht und einfach höher bauen“

Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums

Tatsächlich ist der Hochhausbau äußerst zyklisch: Wegen oft jahrzehntelanger Planung fällt die Realisierung manchmal in eine Phase, wo sich der Bedarf schon wieder geändert hat. Deutschland ist dafür ein gutes Beispiel. Jahrelang wurden Hochhäuser hierzulande eher gesprengt als neu gebaut. Der „Weiße Riese“ wie die Hamburger das Hermes-Hochaus nannten, verschwand genauso wie das 138 Meter hohe dreitürmige Gebäude der Deutschen Welle in Köln. Doch dann führten knappe Bauflächen zum Umdenken. Studien sagten bis 2023 zweistellige Zuwachsraten bei neu genehmigten Wohn- und Bürohäusern voraus, die höher sind als 13 Stockwerke. So rechneten die Experten von BauInfoConsult noch im vergangenen Jahr mit einer deutlich positiven Entwicklung. Städte seien offener geworden für Wohntürme, sagt André Adami, Bereichsleiter Wohnen bei der Immobilienberatungsfirma Bulwiengesa. Mit dem Ukraine-Krieg, den gestiegenen Zinsen und Baupreisen hat sich der Hochhausboom wieder abgekühlt – auch weltweit. Knapp 150 Gebäude von mehr als 200 Meter Höhe wurden 2018 fertiggestellt. Zwei Jahre später waren es nur noch gut 100, zählt das Council on Tall Buildings and Urban Habitat. 

Wo gebaut wird, ist ein nachhaltiger Umgang mit Baustoffen entscheidend, um den ökologischen Fußabdruck von Gebäuden zu verringern. Baumaterial wird wiederverwertet wie eben beim prämierten Hochhaus. Aber auch Baustoffe wie Holz kommen zum Einsatz, die klimafreundlicher sind. Damit sind allerdings Wolkenkratzer bislang nicht realisierbar. Eines der höchsten Holzhäuser steht mit 75 Meter Höhe im nordschwedischen Städtchen Skellefteå. Der Komplex aus 20-geschossigem Hotel und Kulturzentrum ist aus laminiertem Brettschichtholz gefertigt. Architekturkritiker bescheinigen dem Bau „souveräne Leichtigkeit“. Er beweise, dass der vermeintlich ländlich-rustikale Baustoff Holz ein enormes Potenzial birgt. Hilfreich für den Trend ist, dass der nachwachsende Baustoff aus regionaler Produktion mit seiner hervorragenden CO2-Bilanz das ideale Material für die Klimawende darstellt.

Fotos: IHP 2022

Quay Quarter Tower in Sydney: Die Atrien ermöglichen Ausblicke auf das Opernhaus und den Hafen.

„Das Geschäft entwickelt sich seit Jahren sehr positiv“, bestätigt Konstantin zu Dohna, Geschäftsführer des Deutschen Holzfertigbau-Verbands. Und von Tokio bis Vancouver will jede Stadt, die etwas auf sich hält, das nächste höchste Holzhaus bauen. Das wohl spektakulärste Projekt plant der japanische Holzbaugigant Sumitomo Forestry zurzeit in Tokios Geschäftsviertel Maronouchi. Pünktlich zum 350. Firmenjubiläum soll dort 2041 ein 350 Meter hohes Holzhochhaus eingeweiht werden – jeder Meter soll für ein Jahr Unternehmensgeschichte stehen.

In der Nutzungsphase des Hochhauses wird für Heizen, Kühlen und Warmwasseraufbereitung am meisten Energie benötigt. Ein intelligentes Gebäude der Zukunft verfügt über Sensoren und intelligente Steuerungen, um den Betrieb der gebäudetechnischen Anlagen so effizient wie möglich zu machen. Dabei berücksichtigt es auch das Verhalten und die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner: Wo sich niemand aufhält, muss keiner heizen. Smarte Technologien beziehen Wetterprognosen und die Verfügbarkeit erneuerbarer Energie in die Gebäudesteuerung mit ein. Am Ende steht die Vision eines klimapositiven Hochhauses, die Kent Jackson, Partner bei einem der größten Architekturbüros der Welt, dem SOM aus Chicago, so formuliert: „Stellen Sie sich eine Welt vor, in der ein Gebäude hilft, den Planeten zu heilen.“

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