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24.10.2022

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4 Min.

Wege aus der Realzinsfalle

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Wer sein Vermögen erhalten möchte, muss strategisch vorgehen. Sonst frisst die Inflation nicht nur die Zinsen, sondern auch das Kapital auf. Was können Anlegerinnen und Anleger mit Blick auf die verschiedenen Anlageklassen dagegen tun und auf welche möglichen Szenarien sollten sie sich dabei einstellen? 

Die Zinsen steigen wieder. Doch das ist nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht für Anlegerinnen und Anleger. Denn die aktuellen Inflationsraten lassen sich damit nicht ausgleichen.

Strategisch orientierte Investoren richten daher nach den Kurseinbrüchen der vergangenen Monate ihren Blick auf die Wertpapiermärkte. Die Durststrecke sieht Jörg Boysen zwar noch nicht als abgeschlossen an, aber: „Nach unserer Einschätzung werden die negativen konjunkturellen Effekte durch hohe Energiepreise und allgemeine Inflation in Europa aber im kommenden Jahr überwunden sein“, so der Chefanlagestratege der Deka.

Seine Botschaft an Anlegerinnen und Anleger ist eindeutig: Auch wenn die Stimmung an den Börsen nervös und das Umfeld aus geopolitischen Spannungen und einer Rezession in Europa und den USA widrig bleiben wird – am schrittweisen Aufbau von Aktienvermögen sollte unbedingt festgehalten werden. „Nur so lässt sich die Chance wahren, angelegtes Kapital real im Wert zu erhalten und perspektivisch dann auch wieder echte Zuwächse zu erzielen“, ist Boysen überzeugt. „Wie in vergangenen Krisen wird auch die gegenwärtige Energiekrise überwunden werden und einem nächsten Investitions- und Aktienzyklus Platz machen.“

Allerdings: Auch wenn der größte Teil des Zinsanstiegs durch die Notenbanken hinter uns liegen dürfte – eine hohe Unsicherheit bleibt. „Daher ist zunächst mit anhaltend hohen Schwankungen an den Renten- und Aktienmärkten und phasenweise weiteren Kursrückgängen zu rechnen“, warnt er vor einem allzu forschen Einstieg an den Wertpapierbörsen. Die Deka-Expertinnen und -Experten sind denn auch in ihrem Basisszenario weiterhin verhalten: Die Notenbanken werden die Zügel ihrer Geldpolitik wegen der anhaltend hohen Inflation immer noch straff halten, das Wirtschaftswachstum bleibt schwach. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für dieses Szenario sehen sie bei 65 Prozent. 

Nach den deutlichen Kursrückgängen der vergangenen Monate sind die Bewertungsniveaus von Aktien inzwischen günstig. „In den USA liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erwarteten Gewinne für die kommenden zwölf Monate bei 16, in Europa bei 10. Damit haben wir die Tiefstände aus der Corona-Pandemie erreicht“, sagt Boysen. „Wir sehen eher Chancen zum schrittweisen Einstieg, anstatt Dividendentitel jetzt zu verkaufen.“ Zumal für Christoph Witzke, Leiter Anlagestrategie bei der Deka, die Hoffnung besteht, dass sich die Kurse vorerst fangen: „Auch, wenn es einige negative Ausreißer geben dürfte – die Berichte über die Unternehmensergebnisse im dritten Quartal könnten die Stimmung an den Märkten stabilisieren.“

„Die Notenbanken dürften mit ihren Zinserhöhungen den Bogen nicht überspannen“

Christoph Witzke, Leiter Anlagestrategie bei der Deka

Die Anlegerinnen und Anleger müssen jedoch flexibel sein, was ihre Investitionsquote anbelangt. „Sollte sich der Ausblick zum Beispiel durch Zinspausen der Notenbanken verbessern, ist schnelles Agieren in Richtung einer risikofreundlichen Ausrichtung unabdingbar“, so Boysen. Allerdings: Auch wer sein Portfolio auf Aktien fokussiert, wird akzeptieren müssen, dass er mit seinen Investments die hohen Inflationsraten perspektivisch nur teilweise ausgleichen können wird. „Das Umfeld aus Sicht der Aktienmärkte bleibt weiterhin ausgesprochen herausfordernd und die Kombination aus anhaltend hoher Inflation und einer deutlich nachlassenden Wachstumsdynamik erhöht das Risiko, dass die Notenbanken mit ihren Zinserhöhungen den Bogen überspannen und die Wirtschaft eine harte Landung macht“, sagt Witzke.

In dem Fall kommt das Negativszenario der Deka-Anlagestrategie zum Tragen, für die bislang eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent veranschlagt wird. Demnach würde sich der Krieg in der Ukraine weiter ausdehnen. Zudem heizen Zweitrundeneffekte die Inflation an, sodass eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt wird. Die Notenbanken würden sich gezwungen sehen, ihre Geldpolitik noch restriktiver zu steuern und die Zinsen stärker zu erhöhen. Das führt dann weltweit zu einer starken Rezession und ist tendenziell schlecht für Aktien. Neue Hilfspakete der Regierungen würden die Staatsverschuldung nach oben treiben. In Verbindung mit den spürbar gestiegenen Zinsen droht in diesem Fall dann eine globale Schuldenkrise.

„Hohe Energiepreise und Inflation werden die Konjunktur im kommenden Jahr weniger belasten“

Jörg Boysen, Chief Investment Officer & Head of Portfolio Management bei der Deka Invetsment

In dem Fall dürften die Kurse von Anleihen und Aktien nachgeben und Edelmetalle könnten stärker in den Fokus rücken. Diese gelten als sicherer Anlagehafen in unsicheren Zeiten. Doch sie werfen keine laufenden Erträge ab, was sich jetzt, da die Zinsen steigen, als negativ erweist. Für alle Fälle empfehlen Boysen und Witzke dennoch einen kleinen Anteil von beispielsweise Gold als Beimischung im Portfolio, auch wenn die Börsen wieder steigen. Das wäre der Fall, wenn der Krieg in der Ukraine zum Ende kommt, die Corona-Pandemie schnell abebbt und sich vor allem die Volkswirtschaften der Schwellenländer stark erholen. „In diesem Positivszenario, dem wir eine Wahrscheinlichkeit von fünf Prozent geben, wachsen die Unternehmensgewinne kräftig, was zu deutlichen Aktienkursanstiegen führen wird“, erläutert Boysen und deutet so an, was ohne den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in diesem Jahr möglich gewesen wäre.

Doch was ist mit eher vorsichtigen Anlegerinnen und Anlegern, die auch mit Zinsanlagen zumindest auf Dauer in die Nähe der durchschnittlichen Inflationsrate kommen wollen? Auch ihnen machen die beiden Deka-Experten Hoffnung. „Die Renditen könnten kurzfristig noch ein kleines Stückchen nach oben gehen, aber das Ende der Fahnenstange ist bereits in Sichtweite gerückt“, so Witzke.

Die Rentenmärkte haben nach seinen Beobachtungen die Zinsschritte der Währungshüter, die noch anstehen, ausreichend eingepreist. „Die Zins-Termingeschäfte signalisieren seit einigen Monaten, dass der Trend bei den Inflationserwartungen rückläufig ist. Auch die eingetrübten Konjunkturaussichten deuten insgesamt auf ein nur noch begrenztes Potenzial weiter steigender Renditen hin“, stellt Witzke fest. Selbst der Regierungswechsel in Italien habe nicht zu erhöhten Schwankungen an den europäischen Anleihemärkten geführt.

Hoffnung auch für vorsichtige Anlegerinnen und Anleger

Die inzwischen erreichten Niveaus sieht der Deka-Anlagestratege im historischen Kontext daher als attraktiv an. „Bei Abwägung des Chance-Risiko-Profils gibt es damit Einstiegschancen für strategisch orientierte Rentenanlegerinnen und -anleger“, ist er überzeugt. „Die Gesamtrendite von Euro-Unternehmensanleihen von Schuldnern mit hoher Bonität, in der Finanzsprache Investment-Grade genannt, übersteigt mit etwa vier Prozent zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder die Dividendenrendite europäischer Aktien. In den USA ist der Abstand sogar auf vier Prozentpunkte gestiegen und erreicht damit das höchste Niveau seit der globalen Finanzmarktkrise 2008/09.“

Die Geldanlage bleibt also in Zeiten hoher Inflation sowohl für risikobereite und erst recht für vorsichtige Anlegerinnen und Anleger eine Herausforderung. Doch perspektivisch könnten sowohl Aktien als auch Anleihen Einstiegsmöglichkeiten bieten, um der Realzinsfalle zu entkommen.

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