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17.08.2022

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10 Min.

„Nur Erneuerbare Energien sichern Frieden“

Text:

In der gegenwärtigen Energiekrise, aber auch wegen der Taxonomie der EU, sind Atomkraft, Kohle oder Flüssiggas wieder stärker im Gespräch. Deutschlands bekannteste Energie-Expertin Claudia Kemfert hält solche Ideen für einen Irrweg. Die Professorin fordert vielmehr noch größere Anstrengungen für die nachhaltige Energiewende. Auch die Geldanlage biete da gute Möglichkeiten.

Statt Energiewende redet Deutschland von der Energiekrise. Rechnen Sie auch damit, im kommenden Herbst im dicken Pullover im Büro oder daheim sitzen zu müssen?

Russland hat an dem Tag, als es die Ukraine überfiel, den fossilen Energiekrieg entfesselt. Seitdem müssen wir damit rechnen, dass Russland Deutschland den Energiehahn abdreht. Um eine Mangellage zu vermeiden, sollten wir die sogenannte ASSA-Formel anwenden.

Was ist das?

Erstens: A wie Ausweichen, nämlich aus anderen Ländern fossiles Erdgas beziehen. Eine Diversifikation der Energiebezüge ist zen­tral. Zweitens Sparen. Das ist enorm wichtig. Jede Energie, die nicht verbraucht wird, ist wertvoll. Drittens Speichern, und zwar so schnell und so viel wie möglich. Wenn die Speicherstände bis Anfang Herbst auf 90 Prozent ansteigen, haben wir eine gute Chance, ohne Knappheiten durch den Winter zu kommen. Und viertens Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch das braucht endlich größte Entschlossenheit.

Sie fordern schon länger „die konsequente Verfolgung einer zügigen Energiewende“. Fühlen Sie sich in Ihrer Kritik an der zögerlichen Umstellung jetzt bestätigt, wo die Russen am Gashahn drehen?

Absolut! Geopolitische Risiken wurden nie ausreichend berücksichtigt. Damit hat sich Deutschland sehr verletzlich gemacht und ist den Aggressionen Russlands nahezu schutzlos ausgeliefert. Das hätte man vermeiden können und müssen, indem man die Energiewende im Land deutlich schneller umgesetzt hätte. Dabei hatten wir alle guten Zutaten bei uns.

Welche?

Der Ausbau der erneuerbaren Energien florierte. Wir hatten viele Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien und Zulieferer im Land. Anstatt die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben, hat man sie zu stark ausgebremst. Anstelle die Erfolgsgeschichte vorzuschreiben, hat man sie zu stark ausgebremst. Mit den Konsequenzen müssen wir leider heute leben. Die fossilen Energiepreise explodieren und schaden Wirtschaft und Verbraucher. Schlimmer noch, wir haben über 150 000 wertvolle Beschäftigte in diesem Bereich verloren, uns fehlen Unternehmen, uns fehlen Materialien, uns fehlen Handwerker und Fachkräfte. Der Preis der verschleppten Energiewende ist enorm hoch, ökonomisch, ökologisch, geopolitisch und vor allen Dingen energiewirtschaftlich und letztlich auch demokratisch.

War es von Vornherein ein Irrweg, Gas als Brücken-Energie für die Wende hin zu nachhaltigen Energien zu propagieren? Oder sind Gaskraftwerke wegen ihrer schnellen An- und Abschaltmöglichkeit sowie der leicht möglichen Umstellung auf Wasserstoff eine zukunftsweisende Brücke?

Gaskraftwerke waren vor über 15 Jahren eine wichtige Brücke, damals haben wir sehr stark für den Bau von so genannten Flüssiggas-Terminals geworben, um die gefährliche Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu minimieren. Wenn wir die Energiewende nicht ausgebremst, sondern konsequent umgesetzt hätten, hätten wir heute einen Anteil von erneuerbaren Energien von 80 Prozent Gaskraftwerke hätten in dieser Zeit in der Tat die notwendige Flexibilität abgebildet. In Zeiten von deutlich schärferen Klimazielen, und geopolitischen Abhängigkeiten kann fossiles Erdgas heute keine Brücke mehr sein. Gaskraftwerke werden entweder für den Ausgleich von Spitzenlast im Strombereich oder für die Herstellung von Wärme insbesondere Prozesswärme in der Industrie benötigt. Für beides benötigen wir Alternativen, in die heute investiert werden muss. Über den Ausbau der erneuerbaren Energien, in das konsequente Energiesparen, in die Elektrifizierung möglichst alle Technologien, sowie in den grünen Wasserstoff. Heute müssen wir investieren in den sehr viel stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien, in grünen Wasserstoff und alle dazugehörigen Technologien für eine nachhaltige Verkehrs- und Wärmewende wie Elektromobilität und Wärmepumpen. Wir müssen alles was geht elektrifizieren. Nur so lässt sich der Primärenergiebedarf halbieren, der Strombedarf wird deutlich steigen. Wir benötigen Brücken in eine Vollversorgung aus erneuerbaren Energien.

Also statt einer langen Brücke aus fossiler Energie lieber Sparen, Wärmepumpen und Erneuerbare forcieren und schneller in die Wasserstoff-Wirtschaft einsteigen. Dennoch: Ein grüner Wirtschaftsminister muss dieweil in Katar um Gas betteln, ein liberaler Regierungspartner liebäugelt mit der Verlängerung der Kernkraft-Laufzeiten, die Opposition will zusätzlich auch noch den Klimakiller Kohle länger am Netz lassen. Ist die Energiewende schon am Ende?

Ich hoffe nicht! Sondern am Anfang! Die genannten Technologien sind in der Tat von gestern und helfen uns heute gar nicht.

Foto: dpa/PictureAlliance

Ausgezeichnet: Kopenhagen gilt als eine der fahrradfreundlichen Städte.

Wieso?

Katar kann erst in einigen Jahren Gas liefern und will dies dann über 20 bis 25 Jahre tun. Das widerspricht den Zielen des Klimaschutzes und der Energiewende. Auch die Verlängerung von drei existierenden Atomkraftwerken hilft uns heute nicht weiter. Die Betriebsgenehmigung sind erloschen; um sie zu erneuern, müsste das Atomgesetz geändert werden. Zudem fehlen Sicherheitsüberprüfungen, Brennelemente und Personal. All das dauert mindestens ein Jahr und hilft uns im Winter nicht. Aufwand und Ertrag stehen zudem in keinem Verhältnis. Und Atomanlagen produzieren nur 6 Prozent des Stroms. Für den kommenden Winter haben wir aber ein Wärmeproblem, insbesondere die Herstellung von Prozesswärme. Und dafür wird man kurzfristig existierende Kohlekraftwerke etwas mehr nutzen müssen.

Die ist doch noch umweltschädlicher?

Dies heißt aber nicht, dass man den Kohleausstieg nicht bis 2030 umsetzen kann. Wenn die erneuerbaren Energien schneller ausgebaut werden und das Energiesparen schneller geht, ist dies ohne weiteres möglich.

Gerade hat auch noch das EU-Parlament zugestimmt, Gas und Atomstrom als nachhaltig zu titulieren. Sollten sich da auch Nachhaltigkeitsfonds für diese fossilen Energien öffnen? Oder gerade jetzt Kurs halten?

Unbedingt Kurs halten! Weder fossiles Erdgas noch Atomkraft sind nachhaltig. Das weiß auch die Politik. Beide Technologien bergen enorme finanzielle Risiken. Der Bau von neuen Atomkraftwerken ist sehr teuer und rechnet sich nur mit staatlichen Subventionen. Vom Rückbau der Anlagen und der jahrhundertelangen Einlagerung von Atommüll ganz zu schweigen. Auch Erdgas ist nicht nachhaltig. Bei der Förderung und beim Verbrennen entstehen klimawirksame Treibhausgase.

Also keine Investition mit Zukunft?

Im Gegenteil. Beide Technologien bergen die Gefahren der potenziellen „stranded investments“ (Investitionen, die schlagartig an Wert verlieren. Anm. d. Red) und „stranded assets“ (Vermögenswerte, die schlagartig an Wert verlieren. Anm. d. Red). Daher sollten Nachhaltigkeitsfonds beides meiden und strenge Nachhaltigkeitskriterien anwenden.

Das heißt?

In erneuerbare Energien investieren, in die Elektromobilität, in grünen Wasserstoff, also alle Technologien, die wirklich ernsthaft nachhaltige Technologien sind, die zum Klimaschutz beitragen. Wir müssen so schnell wie möglich weg von fossilen Energien – nicht nur von Russland, sondern insgesamt. Nur erneuerbare Energien sichern Frieden, Freiheit und Wohlstand.

Dänemark stürmt nachhaltig voran

Grafik: KD1

Was wären die besten Hebel, um rasch erneuerbare Energieerzeugung zu forcieren?

Das Ausbautempo der erneuerbaren Energien muss mindestens vervierfacht werden. Uns läuft die Zeit davon.

Wie soll das gehen?

Sehr kurzfristig können existierende Biogasanlagen effizienter ausgelastet werden und, sie hätten zusätzliche Kapazitäten um Strom und Wärme herzustellen. Auch schon in diesem Winter. Auch bereits beantragte und im Genehmigungsprozess fortgeschrittene Windanlagen könnten sofort ans Netz gehen. Ohnehin müssen die Genehmigungsverfahren für Windenergie extrem vereinfacht, entschlackt und beschleunigt werden. Die Genehmigungsdauer sollte nicht mehr als ein Jahr betragen. Dafür müssen ausreichende Flächen, in jedem Bundesland mindestens 2 Prozent der Fläche, bereitgestellt werden. Zudem müssen die entsprechenden Ämter personell ausgestattet werden. Außerdem fehlt es an Fachkräften, wir benötigen dringend eine konzertierte Aktion und einen Energiewende-Booster, um die Hürden und Engpässe zu vermeiden. Ausbildungs- und Umschulungsberufe sind genauso wichtig wie die Unternehmen, die ihre Produktionen nicht ins Ausland verlagern sollten. Auch bei der Solarenergie kann es deutlich schneller gehen, Solarenergie gehört auf jedes Dach. Die nun im Osterpaket beschlossene Maßnahmen gehen insgesamt in die richtige Richtung, aber es fehlt die Beschleunigung.

Komplett CO2-neutrale Fabriken, Umstellung auf grünen Stahl, emissionsfreie Logistik – und ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele: Sind viele Unternehmen – gerade die großen, börsennotierten – bei ihren Klimaverpflichtungen und den Schritten dahin oft konsequenter und mutiger als Privathaushalte und Politik?

Teilweise schon. Insbesondere Unternehmen, die sich schon seit Jahren auf dem Weg gemacht haben, und denen die verlässliche Planungssicherheit aufgrund von unsicheren politischen Entscheidungen fehlen. Da muss politisch dringend nachgesteuert werden.

Wie denn?

Wir benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Investitionen heute getätigt werden und später nicht wieder in Frage gestellt werden. Auch Privathaushalte werden einen enorm hohen Preis der verschleppten Energiewende zahlen müssen. Die erhöhten Heizkosten, die erst in diesem oder sogar erst im kommenden Winter sichtbar werden, werden viele Haushalte finanziell stark belasten. Deswegen ist es wichtig einerseits einkommensschwachen Haushalten zielgerichtet zu helfen, aber vor allen Dingen alles dafür zu tun, damit die energetische Sanierung schneller vorangeht.

Aber verliert sich die Energiewende nicht gerade im Kleinklein der Anti-Windmühlen-Kämpfer, Stromtrassen-Blockierer und ihrer politischen Unterstützer?

Wie viele Umfragen belegen, ist ein Großteil der Menschen in Deutschland für die Energiewende. Wir wissen aus der Akzeptanzforschung, dass Menschen überzeugt werden müssen und verstehen müssen, warum die Energiewende wichtig ist. Aktuell wird es ja sehr sichtbar über die sehr stark ansteigenden Preise für fossile Energien. Zum anderen muss es darum gehen, durch geeignete Rahmenbedingungen wie etwa die klaren Prozesse, erleichterte Genehmigungsverfahren, und das Ausweisen von ausreichendem Flächen juristische Klarheit zu haben um die Windenergie entsprechend auszubauen. Zudem bedarf es kluger und ausreichender finanzieller Ausgleichsmaßnahmen.

Wie könnten die aussehen?

Zum Beispiel kann eine Kommune von billigem Strompreis oder Bezahlung der Schwimmbäder oder andere öffentliche Einrichtungen profitieren. Nur wenn ein echter Mehrwert sichtbar ist, steigt die Akzeptanz.

„Auch Privathaushalte werden einen enorm hohen Preis der verschleppten Energiewende zahlen müssen"

Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Fotos: Thorsten Futh)

Das Pariser Klimaabkommen hat Hoffnungen geweckt, dass die ganze Welt sich auf den Weg in die Energiewende macht. Jetzt rudern manche Länder wegen gestiegener Energiepreise wieder zurück, in den USA hat sogar der oberste Gerichtshof der Bundesregierung das Recht auf US-weite Energiepolitik genommen. Wie lässt sich globale Klimapolitik durch eine stärkere internationale Zusammenarbeit bei der Energiepolitik und –versorgung wieder in Schwung bringen?

Warum in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah? Erneuerbare Energien werden vor Ort hergestellt. Je dezentraler, desto geringer die Kosten für Infrastrukturen, potentielle geopolitische Risiken und Transport. Sicherlich ist es sinnvoll, auch über Kooperationen wie beispielsweise mit Nordafrika Vereinbarung über den Ausbau der erneuerbaren Energien einzugehen. Im Vordergrund sollte aber die Energieversorgung im jeweiligen Land stehen.

Sie betonen, dass der Ausbau erneuerbarer Energien sogar preissenkend wirken kann. Wie soll das gehen – Windparks, Wasserstoffwirtschaft oder neue Stromtrassen sind doch extrem teuer?

Man darf nicht vergessen, dass mit steigender Nachfrage die Kosten der Technologien kontinuierlich sinken. Die Kosten erneuerbare Energien sind massiv gesunken in den letzten 20 Jahren, genauso wird man es auch bei Wasserstoff, Elektromobilität oder Batterien sehen. Sobald das Energiesystem umgestellt ist, sinken die Kosten dafür massiv, das zeigt unsere Modellierung. Und da sind die jetzigen Umleitung Klimaschäden noch nicht einmal mit eingerechnet. Fakt ist: ein auf erneuerbare Energien und Energiesparen ausgerichtetes Energiesystem lohnt sich vierfach:  Energieversorgung- sicherheitstechnisch, geopolitisch, ökologisch und ökonomisch.

Wie lässt sich die CO2-Besteuerung effektiver ausbauen, um der Energiewende noch mehr Rückenwind zu geben?

Die jetzigen Preisexplosionen für fossile Energien wirken wie ein sehr hoher CO2-Preis, mit dem Unterschied, dass nicht der Staat die Preiserhöhung veranlasst und Einnahmen aus der CO2-Bepreisung nimmt, sondern der Markt selbst. Trotz aller Unwuchten auf dem fossilen Energiemarkt, werden aufgrund der gestiegenen fossilen Energiepreise erhebliche Gewinne der Energieunternehmen gemacht. Sogenannte Übergewinne. Diese sollten zumindest teilweise vom Staat genommen werden, um den Hilfsbedürftigen und von den hohen Energiepreisen stark belasteten Haushalten und Unternehmen zielgerichtet zu helfen. Grundsätzlich muss es jetzt darum gehen, eine beherzte Energiewende weg von fossilen eingehen und mehr Energie sparen konsequent anzugehen, in Deutschland, Europa aber auch weltweit. Da kann ein CO2-Preis nur flankierend helfen, wichtiger sind die konsequenten Rahmenbedingungen seitens der Politik.

Warum hört man in der politischen Debatte solche klaren Worte für eine kraftvolle nachhaltige Wende eher selten?

Diejenigen die an alten Geschäftsmodellen von fossiler Energie und Atomenergie festhalten wollen, sind laut und bestimmen die öffentliche Debatte. Menschen wird Angst gemacht, sie sorgen sich vor einer unsicheren Zukunft. Deshalb wird es oftmals ausgeblendet. Dabei ist eine Zukunft mit einer konsequenten Energiewende so viel positiver als berichtet! Erneuerbare Energien sind deutlich preiswerter, sie sichern Versorgungssicherheit vor Ort, vermindern Abhängigkeiten, vermindern geopolitische Risiken, vermeiden Klima und Umweltschäden, sichern so Frieden, Freiheit und Wohlstand!

„Sobald das Energiesystem umgestellt ist, sinken die Kosten dafür massiv"

Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

Gibt es ein Land, das beim Thema Energiewende als Vorbild für Deutschland, Europa oder gar die Welt dienen könnte?

Dänemark ist uns seit Jahrzehnten weit voraus.

Was läuft dort richtig?

Sie haben sehr früh begonnen, die erneuerbaren Energien auszubauen, vor allen Dingen die dezentralen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen auf erneuerbare Energien umzustellen, umso vereinigen auch die nah und Fernwärmenetze nachhaltig und erneuerbar zu gestalten. Zudem haben sie auch eine konsequente Energiewende weg vom Öl vorangebracht. Und setzen eine konsequente Verkehrswende um, Kopenhagen beispielsweise ist eine unglaubliche Fahrradstadt. Dänemark hat sehr viel richtiggemacht, von denen sollten wir uns einiges abschauen, um es besser zu machen.

Welche Hebel haben Verbraucherinnen und Verbraucher, um die Energiewende zu befördern?

Verbraucher können ganz allgemein auf den Bezug von Ökostrom setzen, energiesparende Geräte kaufen, die energetische Sanierung der Gebäude voranbringen, oder auch mit der Wahl der Mobilitätsformen gleichzeitig zur Energiewende beitragen. Wer beispielsweise mit dem Fahrrad, zu Fuß, mit der Bahn oder dem Elektromobil unterwegs ist, tut gleichzeitig etwas für die Energiewende.

Und bei der Vermögensbildung?

Alle, die die Möglichkeiten haben, auf Anlageformen zu schauen, sollten dies tun. Und zwar auf echte Nachhaltigkeit achten, wo die ESG-Kriterien streng und ernsthaft umgesetzt werden.

Also ökologische, soziale und Kriterien der guten Geschäftsführung?

Ja. Es gibt mittlerweile sehr viele nachhaltige Fonds und Anlagemöglichkeiten – und ein Bewusstsein, um aktiv mitzugestalten.

Wie handeln Sie selbst, um als Privatverbraucherin die Energiewende zu befördern?

Durch all mein Handeln bin ich aktiver Teil der Energiewende, nicht nur, weil ich mich an Bürgerenergieprojekten beteilige. Ich nutze zudem energiesparende Geräte, kaufe nachhaltige Kleidung und Bioprodukte und fahre ausschließlich Fahrrad oder Bahn. Unvermeidbare Emissionen kompensiere ich über echte Klimaschutzspenden und zwar mit einem Preis von 190 Euro pro Tonne CO2. Dies ist zwar immer noch nicht der wahre CO2-Preis, aber näher an den wahren Kosten der Klimaschäden.

Klingt wie die ultimativ-nachhaltige Geschenkidee.

In der Tat! Durch Spenden in den Klimaschutz kompensiere ich nicht nur meinen eigenen Fußabdruck, sondern den der gesamten erweiterten Familie. Jeder kann zum Geburtstag oder zu Weihnachten Klimaschutzprojekte verschenken. Dies vermeidet die Gefahr, etwas Unpassendes zu schenken, und schafft gleichzeitig effektiven Klimaschutz. Win-win auf allen Seiten.

Claudia Kemfert leitet seit 2004 die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Die gebürtige Delmenhorsterin ist zudem Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universität. Als Gutachterin und Politikberaterin ist und war Kemfert in verschiedenen Nachhaltigkeitsbeiräten und Kommissionen tätig, so etwa dem Sachverständigenrat für Umweltfragen, dem Klimabeirat der Städte Hamburg und Dresden oder im Rahmen der High Level Group on Energy and Climate als Beraterin des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Barroso. Kemfert hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und in Italien, Spanien, Russland und Deutschland in Forschung und Lehre gearbeitet.

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