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16.12.2021

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3 Min.

Damoklesschwert für die Börsen?

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Die Corona-Pandemie hat die Finanzmärkte weiter im Griff. Doch Gesundheitsexperten signalisieren hier mit Blick auf die neue Virusmutation ein Stück weit Entwarnung. Wenn sich diese Einschätzung bestätigt, gehen deutsche Top-Ökonomen von einer Konjunkturerholung für 2022 aus.

Wie gefährlich ist die Omikron-Variante des Corona-Virus? Erste Meldungen nach dem Auftreten der Virusmutation deuteten darauf hin, dass die bisherigen Impfstoffe gegen den Omikron-Typus wirkungslos sein könnten. Einen Vorgeschmack darauf, wie die Anlegerinnen und Anleger auf den Eintritt dieses Worst-Case-Szenarios reagieren würden, gab der erste Dezemberfreitag. Eine weltweite Verkaufswelle, die an das Frühjahr 2020 erinnerte, drückte die Kurse rund um den Globus. „Die Marktreaktionen zeigten die Risiken, die nach fast zwei Jahren der Corona-Pandemie immer noch aus der reinen Gesundheitskrise heraus für Wirtschaft und Finanzmärkte drohen“, kommentiert Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka, den Mini-Crash. „Die Folgen einer impfstoffresistenten Corona-Variante wären dramatisch. In diesem Fall würden alle Konjunkturprognosen über Nacht Makulatur.“

Omikron-Variante birgt Konjunkturrisiko

Laut dem Deka-Ökonom müsste mit einem herben Einbruch der deutschen Wirtschaft gerechnet werden, falls es wider Erwarten zu einem neuerlichen flächendeckenden Lockdown kommt, der bis ins Frühjahr andauert. Statt des bislang veranschlagten Wachstums von 3,7 Prozent, wäre von einem Schrumpfen um insgesamt 1,1 Prozent auszugehen. „Für die US-Wirtschaft würden die Konsequenzen wegen der geringeren Neigung zu staatlichen Kontaktbeschränkungen dabei zwar bedeutend milder ausfallen. Aber auch hier wären statt des bislang prognostizierten Wachstums von 3,9 Prozent nur noch mit 2,5 Prozent im Gesamtjahr 2022 zu rechnen“, so Kater

Renommierte Gesundheitsexperten geben aber Entwarnung. Wohl ist die jüngste Virusmutation als sehr infektiös einzuschätzen. „Aber es ist nahezu sicher, dass die Omikron-Variante nicht schlimmer ist als Delta“, sagte der US-Immunologe Anthony Fauci, oberster medizinischer Berater von US-Präsident Joe Biden, der Nachrichtenagentur AFP zwei Tage nach Nikolaus. Auf Basis erster Analysen und Studien haben die weltweiten Gesundheitsbehörden bis Mitte Dezember keinen neuen Verteidigungsfall gegen das Virus ausgerufen. In der Folge kehrte auch wieder Zuversicht an den Märkten zurück. „Das entsprach unserer Einschätzung von Anfang Dezember, nach der wir auch die zwischenzeitliche Aktienmarktkorrektur aus langfristigen Vermögensperspektiven eher als Möglichkeit zum Aufbau neuer Positionen gesehen haben“, so Kater: „Unsere Konjunkturprognose für das Basisszenario setzt aber eben voraus, dass das Corona-Virus unter Einsatz der bestehenden Impfstoffe beherrschbar bleibt.“

Bedenklich stimmten dabei zunächst Aussagen von Stéphane Bancel, Chef des US-Impfstoffhersteller Moderna. In einem Ende November erschienenen Interview mit der Financial Times äußerte er sich pessimistisch in Bezug auf die Wirksamkeit der gegenwärtigen Covid-19-Impfstoffe gegen die neue Omikron-Variante. Noch am gleichen Tag hielt Biontech-Chef Ugur Sahin bei einer Preisauszeichnung in Mainz jedoch dagegen. Er sei zuversichtlich, dass die vorliegenden Impfstoffe sowohl gegen Omikron als auch folgende weitere Virus-Varianten vor schweren Krankheitsverläufen schützen werden.

Inzidenzen im Vergleich

Die Ergebnisse einer jüngst von israelischen Wissenschaftlern veröffentlichten Studie stützen diese Aussage. Demnach ist die Schutzwirkung einer Biontech-Auffrischungsimpfung gegen Omikron zwar niedriger als gegen Delta. „Die gute Nachricht ist jedoch, dass sich der Schutz mit der Auffrischungsdosis um das Hundertfache erhöht“, sagte Gili Regev-Yochay, Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten des Sheba Medical Centers in Tel Aviv gegenüber Reportern. Zusammen mit Pharma-Partner Pfizer will Biontech zudem im Frühjahr 2022 ein angepasstes Vakzin auf den Markt bringen.

Impfstoffe werden nachjustiert

Vor diesem Hintergrund setzt die neue Bundesregierung auf konsequentes Boostern, um die Pandemie in Schach zu halten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat das Ziel ausgegeben, dass im Dezember bis zu 30 Millionen Auffrischungsimpfungen verabreicht werden. Fachleute zweifeln, ob diese Marke zu erreichen ist.  Allerdings hat sich das Impftempo in Deutschland auf zuletzt rund eine Million verabreichte Dosen pro Tag erkennbar beschleunigt. 70 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger sind mittlerweile vollständig geimpft. Knapp jeder Dritte davon ist bereits geboostert.

Hoffnung macht auch, dass die Inzidenzen und Hospitalisierungsraten in Deutschland und wichtigen Nachbarländern seit einigen Tagen wieder auf dem Rückzug sind. Doch Virologen und andere Experten schauen nun bange in Richtung des Weihnachtsfests. „Omikron-Infektionen auf Weihnachtsfeiern könnten die neue Variante in der Republik verteilen“, fürchtet Informatiker Kai Nagel, der an der Freien Universität Berlin den Verlauf der Pandemie vorausberechnet. Zeit und Kontaktdisziplin werden somit wie so oft in den vergangenen Monaten zu den entscheidenden Faktoren im Kampf gegen das Corona-Virus. Hinzu kommen die politischen Anstrengungen in Sachen Impfpflicht. Viele Wissenschaftler und Politiker wie etwa der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sehen darin die einzige Möglichkeit, weiteren Infektionswellen wirksam etwas entgegenzusetzen. 

Omikron-Infektionen auf Weihnachtsfeiern könnten die neue Variante in der Republik verteilen.

Kai Nagel, Informatiker an der Freien Universität Berlin

Die im Moment brennende Frage für Investoren indes ist: Wie stark verliert die Wirtschaft durch die aktuelle Welle an Schwung? Michael Grömling, Chef-Ökonom des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), beobachtet ein deutliches Abbremsen der Konjunktur. „Vor allem beim Konsum wird sich die kräftige Erholung vom letzten Quartal nicht fortsetzen“, befürchtet er. „Wir gehen davon aus, dass sich der aufgebaute Investitionsstau im Winter nicht merklich auflösen wird. Damit setzt sich die Stop-and-Go-Konjunktur wohl noch im Jahr 2022 fort.“ Dennoch geht Grömling von einer Erholung aus. „Das signalisieren uns auch die Unternehmen in unserer aktuellen Konjunkturumfrage.“ Mehr als die Hälfte der befragten Firmen rechnen demnach 2022 mit besseren Geschäften als 2021, nur 15 Prozent befürchten ein Minus. „Das reale BIP wird so um die 4 Prozent zulegen. Dafür braucht es allerdings eine kräftige Dynamik im zweiten Halbjahr.“

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