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16.12.2021

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4 Min.

2021 - Jahr der Überraschungen

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Diesmal Katers Jahr statt Katers Welt. Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater schaut auf die wichtigsten Ereignisse im Börsenjahr 2021 zurück.

„Das Börsenjahr 2021 war insgesamt gut, hielt aber für die internationale Finanzmarktgemeinde eine Reihe von unerwarteten Entwicklungen parat“, zieht Ulrich Kater Bilanz. „Überraschung eins: Zum ersten Mal in der Geschichte – und anders als bei der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt – ist der Weltwirtschaft nach einem globalen Schock nahezu die Rückkehr auf den ursprünglichen Wachstumspfad gelungen.“ 

Ursache für die schnelle Wiederauferstehung der Weltwirtschaft sind die enormen fiskalischen Impulse vieler Regierungen, um die negativen Auswirkungen des Lockdowns abzufedern. Die Kehrseite der Medaille ist Überraschung zwei: Die Inflation feiert ein Comeback. „Kaum ein Marktteilnehmer hatte Preissteigerungen für 2021 auf dem Schirm“, stellt Kater rückblickend fest. „Die Inflation ist im Jahresverlauf zum Megathema an den Kapitalmärkten geworden.“ 

Preisentwicklung: Totgesagte leben länger

Die Realität war dabei den Expertenvorhersagen stets einen Schritt voraus. Im Durchschnitt haben Analysten und Ökonomen ihre Inflationsprognosen 2021 von Anfang des Jahres im Durchschnitt verdoppeln müssen. Kater gibt für 2022 nur teilweise Entwarnung: „Wir erwarten zwar eine Beruhigung der gegenwärtigen Preiswelle: Allerdings bleiben die Inflationsraten auf einem höheren Sockel als vor der Corona-Krise.“

Beschränkter Zugang: Vor den Ladenlokalen bildeten sich lange Schlangen.

Winter/Frühjahr: Ein Pieks bringt Freiheit

Nach weltweiten Lockdowns in den Wintermonaten geht im Frühjahr eine Hoffnung in Erfüllung: der Wunsch nach wirksamen Impfstoffen, die schnell und flächendeckend produziert und verteilt werden können. „Wenngleich sehr unterschiedlich in den Weltregionen verteilt“, hebt Kater hervor. In den führenden europäischen Industrienationen kommen großangelegte Impfkampagnen in Gang. Die Vakzine sorgen dafür, dass die Infektionszahlen sinken und Einschränkungen im öffentlichen Leben zurückgenommen werden.

In der Folge erholt sich die Konjunktur – auch deshalb, weil immer mehr Länder Handelsbeschränkungen aufheben. Das Thema Impfen war auch für Anlegerinnen und Anleger interessant. Der Aktienkurs des Impfstoffherstellers Biontech, den die Deka mit an die Börse begleitet hat, konnte sich 2021 in der Spitze nahezu verfünffachen. Auch andere Aktien von Impfstoffherstellern legten deutlich zu.

Leere Regale im Supermarkt: eine Folge unterbrochener Lieferketten.

Frühjahr/Sommer: Boom mit Nebenwirkungen

Schneller als von vielen Ökonomen erwartet, springt der Welthandel wieder an. „Zum Jahresende 2021 hat das Volumen nicht nur das Vor-Corona-Niveau überschritten“, resümiert Kater, „es liegt sogar über der Linie des Trendwachstums.“ Doch der Re-Start quasi von null auf hundert überfordert bereits ab Frühjahr zunehmend das weltweite Produktionssystems.

Von Rohmaterialien über Vorprodukte, Arbeitskräfte bis hin zu Transportkapazitäten – spätestens im Sommer wird alles knapp. Der weltweite Mangel an Computer-Chips legt die Bänder der deutschen Automobilindustrie zeitweise still. Begehrte Waren wie Tablets, Smartphones, Spielekonsolen oder E-Bikes sind kaum zu bekommen „Die Situation ist durch die Nachfrage der privaten Haushalte entstanden, die auf den Schultern der fiskalischen Stützungsprogramme außergewöhnlich hoch ausfiel“, beschreibt der Deka-Chefvolkswirt die Entwicklung. Angeführt von der US-Wirtschaft, wo die Konsumnachfrage der privaten Haushalte bereits Mitte 2020 das Vor-Corona-Niveau erreicht hatte, stürzten sich die Konsumenten nach dem Ende der Lockdowns auf Güter und Dienstleistungen, die bis dahin eingeschränkt oder faktisch nicht verfügbar waren.

„Im Zusammenspiel mit den vorsichtigen Planungen der Unternehmen und technischen Problemen beim Hochfahren der Wirtschaft in vielen Ländern führte dies 2021 zeitweise zu einer Chaos-Ökonomie“, sagt Kater. Und: „Lieferengpässe werden die Weltwirtschaft sicherlich auch 2022 beschäftigen.“

Ein Immobilienriese in der Krise: Evergrande aus China.

Sommer: Ein Immobilienriese gerät in Not

Zahlt er oder zahlt er nicht – die Rede ist von Evergrande. Seit dem Sommer hält der chinesische Immobilienkonzern, immerhin auf Platz 27 in der Branche, die Finanzwelt mit seinen Liquiditätsproblemen in Atem. Zwar gibt es schon seit vergangenem Jahr klare Signale, dass sich das mit 300 Milliarden US-Dollar verschuldete Unternehmen in einer finanziellen Schieflage befindet. Doch viele Investoren hofften auf eine Auffanglösung durch die chinesische Regierung. 

Die Nachricht, dass Evergrande den Zahlungsdienst auf einige seiner Anleihen ausfallen lassen würde, sorgt deshalb im Sommer für ein weltweites Börsenbeben. Ein Zahlungsaufschub der Gläubiger verhindert zunächst die Pleite. Doch derzeit wachsen wieder die Ängste vor einem Flächenbrand am Markt, weil Evergrande in den vergangenen Wochen abermals verlängerte Zahlungsfristen verstreichen ließ. 

Auch andere Immobilienentwickler warnen nun davor, dass sie nicht in der Lage sein könnten, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Ratingagenturen wie S&P Global und Fitch haben daher die Bonitätsnoten der chinesischen Bauunternehmen gesenkt. Bei Experten steigt nun wieder die Hoffnung, dass die Regierung in Peking eingreifen wird, um eine größere Welle zu verhindern.

Weiterhin auf der Flucht: Jan Marsalek, Ex-Finanzchef von Wirecard.

Herbst: Scherben werden zusammengekehrt

Die spektakuläre Pleite des Zahlungsdienstleisters Wirecard beschäftigt nach wie vor die Justiz. Zum einen ist der weltweit gesuchte Wirecard-Ex-Finanzvorstand Jan Marsalek weiterhin auf der Flucht, zum anderen geht es um Schadenersatzansprüche geschädigter Anlegerinnen und Anleger. Im Blickpunkt steht dabei die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, welche die falschen Bilanzen des ehemaligen Konzerns testiert hatte. Nachdem das Münchner Landgericht bisher alle Schadensersatzklagen gegen die Wirecard-Wirtschaftsprüfer abgewiesen hatte, hat sich inzwischen das Oberlandesgericht eingeschaltet. Es rügt den Umgang des Landgerichts mit den EY-Klagen und zudem die Entscheidungen aus der ersten Instanz. Das Oberlandesgericht macht den Anlegern somit neue Hoffnung und empfiehlt sogar ein Musterverfahren. 

Nach seiner Bestellung durch den damaligen Finanzminister Olaf Scholz (SPD) trat Mark Branson Anfang August seinen Posten als neuer Präsident der BaFin an. Er soll die deutsche Finanzaufsicht schlagkräftiger und effizienter machen, um einen zweiten Betrugsfall in der Größenordnung von Wirecard zu verhindern. Die Deutsche Börse erweitert derweil zum 20. September die Zahl der Aktien im Dax um zehn auf nun 40 Werte. 

Die Umstellung ist die gravierendste Reform in der 33-jährigen Geschichte des deutschen Leitindex. Einer der Kernpunkte der künftigen Aufstellung: Neue Indexregeln sollen einen ähnlichen Fall wie Wirecard verhindern. Dazu gehört unter anderem, dass jeder potenzielle Aufsteiger in den Index zwei Jahre lang Gewinne geschrieben haben muss, um überhaupt die Chance zu haben, in den Dax aufgenommen zu werden. Zudem hat die Börse alle Mitglieder in den Dax-Auswahlindizes verpflichtet, ihre testierten Jahresabschlüsse und Quartalsberichte innerhalb bestimmter Fristen vorzulegen. Andernfalls droht der unmittelbare Rauswurf aus der obersten Börsenliga.

Applaus der SPD-Abgeordneten für den neuen Kanzler: Olaf Scholz

Herbst/Winter: Deutschland hat gewählt

Die Bundestagswahl hat Deutschland eine neue Regierung beschert. In der Nikolauswoche ist der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gewählt und vereidigt worden. Die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP hat Großes vor: Unter anderem 400.000 neue Wohnungen sollen pro Jahr gebaut, der Klimawandel bekämpft und die Digitalisierung vorangetrieben werden. Außerdem sollen Mieter geschützt und Arbeitnehmer durch einen höheren Mindestlohn bessergestellt werden.

„Der Anspruch der Investoren an die neue Bundesregierung ist sicherlich, dass sie andere Schwerpunkte setzt und Themen angeht, bei denen die Vorgängerin eher wenig Veränderung gebracht hat“, formuliert Kater die Erwartung vieler Anleger. Er bezweifelt allerdings, dass die neue Regierung mit ihren ersten Maßnahmen vom Fleck weg einen Boom der deutschen Binnenkonjunktur auslösen kann. „Dazu müssen viele andere Faktoren passen.“

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