Katers Welt vom 22.05.2018

Aufschwung setzt sich fort

Wieder hatten die Aktienmärkte eine Reihe von politischen Pillen zu schlucken.

Nach dem Ausstieg der USA aus dem Iran-Abkommen beschloss die Europäische Union, vorerst an den Vereinbarungen festzuhalten. Dem Rohölpreis kam dies kaum zugute. Noch können die Börsen dies ignorieren, denn die konjunkturellen Gefahren halten sich in Grenzen. Im Handelsstreit gingen die Verhandlungen weiter: China und Europa suchen nach Wegen, den US-amerikanischen Bedürfnissen nach mehr Auslandsgeschäft entgegenzukommen. Im Schatten einer recht freundlichen Börsenwoche stiegen am US-Anleihemarkt die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen über die 3-Prozent-Grenze. Hinter-grund hier: Die amerikanische Notenbank Fed sollte bei weiterhin anständigen konjunkturellen Zahlen aus den USA die Geldpolitik langsam und planmäßig weiter straffen. Bunds profitieren von ihrer Rolle als sicher Hafen angesichts der Pläne der neuen italienischen Regierung, gegenüber dem Rest der EU auf Konfrontationskurs zu gehen. Fortschritte bei der Integration der Eurozone beim kommenden EU-Gipfel (28./29. Juni) sind kaum mehr realistisch.
 
Die europäische Konjunktur hat im ersten Quartal spürbar an Schwung verloren. Die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone ist aber nach wie vor gut. Auch die Stimmungsindikatoren für den Mai – am Mittwoch vorläufige Einkaufsmanagerindizes und am Freitag ifo Index – dürften dies wieder zum Ausdruck bringen. Der wahrscheinliche erneute Rückgang der Einkaufsmanagerindizes ist jedoch in erster Linie als Normalisierung zu interpretieren und weniger den aktuellen Unsicherheitsfaktoren wie Protektionismus, Ölpreisanstieg, US-Dollar-Stärke oder mühsame italienische Regierungsfindung geschuldet. Ein gewisser Teil der Eintrübung resultiert auch daraus, dass in einigen europäischen Ländern Personalengpässe und lange Lieferzeiten bereits zentrale Themen der Wirtschaft sind. Das ifo Geschäftsklima wird freundlich genug ausfallen, um keine Konjunktursorgen auszulösen.

Kater_960x540.jpg
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank