Katers Welt vom 12.11.2018

Europa mit zäher Aufwärtsbewegung

Die Investoren haben den Wahlausgang in den USA als positiv für Unternehmenswerte interpretiert, wobei insbesondere die Technologieaktien in den USA verlorenes Terrain zurückgewinnen konnten. In Europa war die Kurserholung angesichts vielfältiger Risikofaktoren weitaus zäher. Das Hauptrisiko für die Konjunktur und für die Märkte bleiben die steigenden US-Zinsen. Zwar beließ die Fed diese zuletzt unverändert, aber die Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinsschritte wurden bestätigt. In Italien geht die unheilvolle Entwicklung weiter: Die Eurogruppe hat die italienische Regierung aufgefordert, bis zum 13. November einen revidierten Haushaltsplan bei der EU-Kommission einzureichen. Sollte Italien an der aktuellen Politik festhalten, kann ab der ersten Dezemberhälfte ein Defizitverfahren gegen das Land eröffnet werden. Viel bedeutsamer für die Regierung in Rom wird allerdings in den kommenden Monaten das Ausmaß der Bereitschaft der Finanzmärkte sein, den enormen Finanzbedarf des italienischen Staates sowie der heimischen Banken zu erfüllen.

In dieser Woche steht Deutschland im Mittelpunkt der Datenveröffentlichungen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im dritten Quartal geschrumpft sein. Die Gründe: die enttäuschende außenwirtschaftliche Nachfrage und die Produktionsdrosselung der deutschen Automobilindustrie. In den USA interessiert derzeit sehr stark die Entwicklung der Inflation. Die US-Verbraucherpreise dürften im Oktober relativ kräftig gegenüber dem Vormonat angestiegen sein. Knapp die Hälfte des Anstiegs rührt allerdings von den schwankungsanfälligen Energiepreisen, die aktuell schon wieder deutlich zurückgehen. Insgesamt werden die Daten bestätigen, dass die grundsätzliche Inflationsentwicklung im Zielbereich der Fed liegt.

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Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank