Katers Welt vom 17.09.2018

Durchatmen in bewegten Zeiten

Eine konstruktive Pause bei den Zollverhandlungen zwischen den USA und China, gute Wirtschaftsdaten und keine weitere Zuspitzung der angespannten finanziellen Lage einiger Schwellenländer haben die Märkte in der vergangenen Woche durchatmen lassen.

Aus Italien kamen gemischte Zeichen für den anstehenden Haushaltsentwurf, allerdings bemüht sich die Regierung darum, den finanzpolitischen Rahmen – so gut es geht – einzuhalten. Selbst bei den lange Zeit festgefahrenen Brexit-Verhandlungen machen Beobachter zarte weiße Wölkchen aus. Ein harter Brexit kann vermieden werden, wenngleich die Austrittsvereinbarung viele strittige Punkte offen lassen könnte. Doch summa summarum wurden einige angespannte Marktsegmente wie die Schwellenländerwährungen, italienische Staatsanleihen und auch der breite Aktienmarkt in Europa etwas entlastet. Zum Wochenbeginn zogen allerdings wieder dunklere Wolken auf: Laut Medienberichten wird US-Präsident Trump Anfang dieser Woche Zölle in Höhe von 10 % auf chinesische Exporte in die USA mit einem Gesamtvolumen von rund 200 Mrd. US-Dollar beschließen. So hat die Risikowahrnehmung zum Wochenstart etwas zugenommen. Auch der erneute Anstieg der 10-jährigen US-Treasury-Renditen auf 3 % dürfte die Nervosität bei Aktien und Unternehmensanleihen zunehmen lassen.

Beruhigungen bei den Risikothemen können schnell wieder neuen Stressphasen weichen, die haken-schlagende Verhandlungsführung der US-Regierung in Handelsfragen ist hierfür nur ein Beispiel. Von harten wirtschaft-lichen Daten werden in dieser Woche kaum Impulse ausgehen. In Europa werden die Einkaufsmanagerindizes für den September keine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität im dritten Quartal 2018 andeuten. Bereits im ersten Halbjahr hatte die Wirtschaft in Euroland an Dynamik verloren. Allerdings lassen die jüngsten gemäßigten Töne aus Italien zur geplanten Haushaltsentwicklung und die zunächst stabilisierte Lage in der Türkei auch keinen spürbaren Rückgang der Einkaufsmanagerindizes erwarten. Mit Blick auf die Geldpolitik stehen zwar die Zinssitzungen in Japan, Ungarn, Brasilien, Norwegen und Südafrika an, doch sollten die Zinsen fast überall unverändert gehalten werden. Allein Norwegen ist erwähnenswert, da hier die Zinsen am Donnerstag zum ersten Mal seit Mai 2011 angehoben werden sollen.

Kater_960x540.jpg
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank