Katers Welt vom 16.07.2018

Politischer Circus Maximus

Die Konjunkturerwartungen gingen in der vergangenen Woche weiter zurück. Mit Blick auf das aktuelle politische Geschehen überrascht das kaum. So ist es der britischen Premierministerin Theresa May nur vorübergehend gelungen, ihre Kabinettsmitglieder auf das Ziel eines weichen Brexits zu verpflichten. In altbekannter Weise mischte auch US-Präsident Donald Trump die internationale Gemeinschaft auf. Während sein Auftritt beim NATO-Gipfel noch im Bereich des Erwarteten blieb, stehen im Handelskrieg mit China nun neue Zölle auf Güter mit einem Importvolumen von 200 Mrd. US-Dollar im Raum. Die Aussicht auf eine erneute Eskalation belastete zur Wochenmitte weltweit die Aktienmärkte. Obwohl die Konjunkturindikatoren für den Euroraum erstmals seit langem wieder positiv überraschten, überwog stimmungsmäßig doch die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Welthandels.
 
In dieser Woche reißen die politischen Darbietungen nicht ab. Den Auftakt bildet das heutige Treffen zwischen Putin und Trump in Helsinki. Dieses könnte den Graben zwischen den USA und seinen bisherigen europäischen Verbündeten weiter vertiefen. Darüber hinaus sollte die Anhörung zu möglichen US-Autozöllen am 19./20. Juli mehr Klarheit bringen, ob die EU vor einem eskalierenden Handelskonflikt mit den USA steht, der erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen hätte. Diese politischen Großereignisse sollten die Märkte zunächst diese Woche überlagern und die Nervosität hoch halten. Bei den Bruttoinlandsprodukts-Zahlen aus China wird trotz aller negativen Nachrichten der vergangenen Wochen nur mit einer leichten Abschwächung gerechnet. Positive Arbeitsmarktzahlen im Vereinigten Königreich sollten zudem kurzzeitig von den dunklen Wolken des Brexits ablenken.

Kater_960x540.jpg
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank