Europäische Aktien

Was Europa-Aktien besonders attraktiv macht

Europas Unternehmen machen relativ hohe Gewinne und schütten einen großen Teil davon an Anleger aus. Außerdem sind sie im Vergleich zu amerikanischen Titeln unterbewertet. Das macht sie attraktiv für Anleger.
 
Was haben Google, Apple, Facebook und Amazon gemeinsam? Keines der Unternehmen kommt aus Europa, und zusammen sind sie an der Börse weit mehr wert als alle 30 im DAX notierten führenden deutschen Aktiengesellschaften zusammen.
 
Hat Europa sich in die wirtschaftliche Zweitklassigkeit verabschiedet? Mitnichten, denn wer sich nicht von der schieren Größe der US-Internetgiganten blenden lässt, kommt zu einem anderen Schluss. „Kein anderer Kontinent hat so viele Weltmarktführer wie Europa“, sagt sagt Hussam Masri, Leiter Produktmanagement der DekaBank. Und was die Wettbewerbsfähigkeit angeht, so stammen laut einer Untersuchung des Weltwirtschaftsforums sechs der zehn Top-Ten-Länder aus Europa.
 
Deshalb sollten Anleger nach Einschätzung von Masri prüfen, ob sie in europäische Aktien investieren wollen. Das gilt auch für Sparer, die bislang nur in Zinspapieren angelegt haben. Dafür gibt es drei Gründe:

  • Unternehmensgewinne können für langfristige Sparer den Zins ersetzen.
  • Europas Unternehmen schütten Gewinne großzügig aus.
  • Europas Aktien haben langfristig noch Kurspotenzial.

1. Unternehmensgewinne sind der neue Zins

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Wer sein Geld risikoarm anlegen möchte, erhält dafür so gut wie keine Zinsen mehr. Exemplarisch zeigen das Bundesanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit. Wer dem Bundesfinanzminister Geld leiht, bekommt dafür einen Ertrag, der unter einem Prozent liegt (siehe Grafik rechts). Nach Abzug von Inflation und Steuern wird daraus ein Minus. Also kein gutes Geschäft.
 
Anleger, die in Aktien aus dem DAX investieren, erhielten dagegen in den vergangenen Jahren eine Dividendenrendite, die um die Drei-Prozent-Marke pendelte. Das heißt: Die Dividende betrug drei Prozent des Werts der Aktie an der Börse. Etwas höher lag dieser Wert sogar beim Euro Stoxx 50®.
 
Als Dividende wird der Teil des Unternehmensgewinns bezeichnet, den eine Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet. Nach Abzug von Inflation und Steuer blieb von der Dividende für Anleger unterm Strich in aller Regel noch ein Plus. Natürlich um den Preis eines höheren Risikos als bei Bundesanleihen. „Deshalb sollten Anleger ihre Aktieninvestments breit streuen und lange halten“, sagt Masri.
 
Dann kann die Dividende die Hälfte der Wertsteigerung eines Fonds ausmachen. Also ein Posten, mit dem Anleger rechnen können und müssen. Zumal beim Euro Stoxx 50® die meisten Aktiengesellschaften durchgängig eine Dividende zahlten. Dass aber einzelne Unternehmen keine Dividende zahlen oder gar pleitegehen, ist nie auszuschließen.
 

2. Europäische Aktiengesellschaften schütten am meisten Gewinne aus

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Die Dividende ist also ein gutes Argument, über Aktienanlagen nachzudenken. Sie hilft auch bei der Auswahl des richtigen Markts. Dividenden schütten zwar fast alle Aktiengesellschaften aus, die Gewinn machen. Aber nicht alle sind gleich großzügig gegenüber ihren Aktionären. Die Grafik zeigt, dass europäische Unternehmen über lange Zeit einen größeren Teil des Unternehmensgewinns ausgeschüttet haben als amerikanische und asiatische.
 
Gemessen wird das mithilfe der Ausschüttungsquote. Sie gibt an, welcher Teil des Unternehmensgewinns an die Aktionäre geht. Verglichen wurden die Unternehmen aus den drei Aktienindizes der betreffenden Region: Euro Stoxx 50®, S & P und MSCI Asia. Die blaue Kurve des Euro Stoxx 50® liegt über weite Strecken über den beiden anderen. „Deshalb ist es eine gute Idee, in europäische Aktien zu investieren“, empfiehlt Masri. Dies setzt natürlich voraus, dass in Zukunft alles so läuft wie bisher. Frühere Ausschüttungen sind jedoch kein sicherer Indikator für künftige Gewinne.
 

3. Europas Aktien vor Kursanstieg?

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Dividenden und Ausschüttungsquote sprechen also klar für europäische Aktien. Und es gibt noch ein drittes gewichtiges Argument. „Die Kurse europäischer Aktien haben langfristig Nachholbedarf“, sagt Masri. Was beim ersten Lesen negativ klingt, ist in Wahrheit ein Pluspunkt. Denn obwohl der Euro Stoxx 50® sich aus renommierten Unternehmen zusammensetzt, die hohe Dividenden zahlen und über stabile Geschäftsmodelle verfügen, liegt sein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) noch unterhalb der KGV anderer Aktienmärkte (siehe Grafik).
 
Beim KGV wird der Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie dividiert. Faustregel zur Interpretation: Wenn das Ergebnis unter 10 liegt, gilt die Aktie als günstig. KGV von 10 bis 25 gelten als normal. Darüber ist eine Aktie teuer.
 
Märkte spiegeln die Unternehmensdaten nicht immer perfekt wider. Da sich solche Unterschiede normalerweise ausgleichen, kaufen sich Anleger mit europäischen Aktien heute eine Chance auf steigende Kurse ein. Chancen sind jedoch keine Garantien. Und kurzfristig können die Kurse auch fallen. Denn die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

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