Konjunktur

Ein neuer Aufschwung?

Die Impfungen sind im März vorübergehend ins Stocken geraten und einige Öffnungsschritte mussten erst mal wieder revidiert werden, dennoch kommt Schritt für Schritt das Ende der Coronapandemie in Sicht. Viele Firmen bereiten sich auf einen neuen Wirtschaftsboom vor. Wie stark die Aktienmärkte davon profitieren können, zeigt ein Blick auf Staaten, die die Viruskrise aktuell bewältigt haben.
 
Lieferwagen fahren vor, Kartons gefüllt mit Anzügen, Hemden und Kleidern werden in die Geschäfte getragen, die Spender mit Desinfektionsmitteln neu aufgefüllt und die auf den Laufwegen aufgeklebten Pfeile erneuert. So bereitete sich das Herold-Center der Deutsche Euroshop im schleswig-holsteinischen Norderstedt auf die Wiedereröffnung am 8. März vor. Wie andere europäische Staaten begann Deutschland nach langem Lockdown damit, vorsichtig wieder zum gewohnten Leben zurückzukehren.
 
Große Teile der Bevölkerung wollen nach dem düsteren Coronawinter einen Frühling der Normalität – trotz der Risiken. Denn die Zahl der Neuinfizierten steigt wieder, da die Mutationen aus Großbritannien und Südafrika infektiöser als der Ursprungserreger sind. Zudem mussten infolge der Diskussionen um das Vakzin von Astrazeneca Tausende Impftermine abgesagt und nachgeholt werden.
 
Ganz vorne bei den Öffnungen dabei ist das nördlichste Bundesland. Zwischen den Meeren liegt die Sieben-Tage-Inzidenz, die Zahl der Sars-CoV-2-Infizierten pro 100.000 Einwohner, so niedrig wie sonst nur noch im Saarland. Deshalb hat die Landesregierung den Geschäften wieder zu öffnen erlaubt – und die Kunden kommen. Nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Hamburg und Niedersachsen.
 
Patrick Kiss, Head of Investor Relations der Deutsche Euroshop, die neben dem Herold-Center 20 weitere Einkaufszentren in Europa besitzt, ist davon nicht überrascht: „Die Menschen sehnen sich nach dem Lockdown danach, wieder in einem Geschäft einzukaufen, Produkte in die Hand zu nehmen und Textilien anprobieren zu können.“ Genau das habe sich zuvor schon in Österreich und Polen gezeigt, wo bereits im Februar die Läden wieder öffnen konnten. „In unserem Center in Danzig lagen die Besucherzahlen im Februar mehr als 60 Prozent über dem Vorjahresniveau, in Klagenfurt sogar um 100 Prozent“, sagt Kiss.
 
Der Dax hat den Einbruch wettgemacht
 
An den Börsen wird das Ende der Pandemie bereits vorweggenommen. Die Notierungen des deutschen Leitindex Dax und des Euro Stoxx 50 – des Börsenbarometers der 50 europäischen Konzerne mit der höchsten Marktkapitalisierung – legen zu und haben den Einbruch zu Beginn der Pandemie im März 2020 längst wettgemacht. Noch stärker sind die Leitindizes der Börsen jener Länder gestiegen, denen es früh gelang, die Ausbreitung der Infektionen zu stoppen – in Ländern wie China, Japan und Südkorea startete die Wirtschaft früher durch. Stand Mitte März ist der japanische Nikkei auf Sicht der vorherigen sechs Monate 29 Prozent im Plus, der Hongkonger Hang-Seng-Index 20,2 Prozent und der südkoreanische Kospi hat 26 Prozent zugelegt. Hingegen hat der Euro Stoxx 50 lediglich 17 Prozent und der Dax 11,8 Prozent gewonnen.
 
„Der Blick auf die Kursentwicklung in Fernostasien zeigt, dass Europas Börsen noch Nachholpotenzial haben, sobald die Pandemie durch die Impfungen endgültig überwunden ist“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Damit es schneller vorangeht, will eine wachsende Zahl deutscher Unternehmen den Schutz ihrer Beschäftigten vor dem Virus selbst in die Hand nehmen. Dax-Konzerne wie Allianz und Deutsche Telekom wollen ebenso die Belegschaften durch eigene Ärzte impfen wie die chemische Industrie oder die den Sparkassen verbundene Versicherungskammer. „Wir wollen die Impfstrategie durch den koordinierten Einsatz von Betriebsärzten unterstützen“, sagt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.
 
Weltweit steht die Wirtschaft vor gewaltigen Veränderungen durch die neuen Anforderungen der Digitalisierung und der nachhaltigen Produktion. Umso wichtiger ist es, Beschäftigte vor dem Virus zu schützen, damit die Fertigung ungehindert laufen kann. Wie dieser Schutz gelingen kann, zeigen jene asiatischen Staaten, die die Pandemie bereits 2020 gestoppt haben. Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs vergangenes Jahr um 2,3 Prozent, in Vietnam betrug das Plus 2,9 Prozent, in Taiwan sogar 3 Prozent. Hingegen schrumpfte Deutschlands BIP um 4,9 Prozent, in der Euro­zone betrug das Minus sogar 6,8 Prozent.
 
Was Deutschlands Wirtschaft besser als die Nachbarländer durch die Krise getragen hat, war die starke Nachfrage nach Automobilen und Maschinen aus Fernost. Beispielhaft dafür steht Daimler. Der Stuttgarter Autobauer musste 2020 zwar weltweit gesehen einen Absatzeinbruch von 7,5 Prozent hinnehmen. Während in Deutschland die Zahl der verkauften Mercedes-Benz-Modelle aber um 10,1 Prozent sank, stieg sie in der Region Asien-Pazifik um 4,7 Prozent auf 1,024 Millionen. Haupttreiber war China: Durch ein Plus von 11,7 Prozent konnte dort ein neuer Absatzrekord von 774.382 Automobilen erreicht werden.
 

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Einkaufen in Coronazeiten: Meist geht es nur mit vorherigem Termin. Foto: dpa/PictureAlliance

Mit dem näher rückenden Ende der Pandemie auch in Europa und Nordamerika beginnen die Exportnationen in Fernost wieder, mehr Waren in diese Märkte zu bringen. Containerfrachter sind gefüllt mit der neuen Sommermode für die Boutiquen und Einkaufszentren wie dem Herold-Center. Die Frachtraten auf den Weltmeeren ziehen deshalb mächtig an. Auf der Asien-Europa-Linie sind die Container-Transportkosten seit Sommer 2020 von 1.500 US-Dollar auf mehr als 5.000 US-Dollar gestiegen, meldet Bloomberg. Die steigende Nachfrage treibt auch die in der Pandemie gesunkenen Rohölpreise wieder in die Höhe. An deutschen Tankstellen sind Benzin und Diesel so teuer wie vor der Krise – auch, weil die Bundesregierung zu Jahresbeginn die Kraftstoffe um rund 7,5 Cent pro Liter durch die neue CO2-Abgabe zum Klimaschutz verteuert hat.
 
Inflation ist ein temporäres Problem
 
Diese Preisanstiege seien aber nicht der Beginn einer Inflation, sagt DekaBank-Chefvolkswirt Kater: „Sie sind vielmehr Folge der weltweiten Konjunkturerholung.“ Sobald Fertigungs- und Transportkapazitäten an den gestiegenen Bedarf angepasst sind, „wird die Welle an Preisanhebungen bis zum Jahresende ausrollen, weil sich die Lage bis dahin wieder normalisiert“, prognostiziert Kater. „Die vorübergehend anziehende Teuerung dürfte jedoch an den Börsen für einige Bewegung sorgen.“ Geradlinig werden sich Dax und Euro Stoxx 50 nicht nach oben bewegen.
 
Zugleich lässt der beginnende Aufschwung Unternehmen wieder Büroflächen anmieten. Dauerhaft nur im Homeoffice wollen Beschäftigte nicht arbeiten. Anfang März vermeldet die Deka Immobilien Vollvermietung für den 18-geschossigen Frankfurter Büroturm Scala West mit variablen Arbeitsplätzen und multifunktionalen Kreativzonen auf rund 20.000 Quadratmetern Mietfläche.
 
Deutschlands Büroimmobilienmärkte seien trotz Pandemie in guter Verfassung, sagt daher auch Esteban de Lope Fend, Leiter Immobilienfondsmanagement der Deka Immobilien: „Es gab vor der Krise nur wenige Neubauten, deshalb ist der Leerstand weiterhin gering.“ Zudem sorgten die tiefen Zinsen für starke Investorennachfrage und so für stabile Marktwerte.
 
Das Ende der Pandemie scheint greifbar, sobald weite Teile der Bevölkerung geimpft sind. Zugleich schaffen die Megatrends Nachhaltigkeit und Digitalisierung neue Perspektiven für Unternehmen. Viele haben ihre Investitionen in neue Technologien, die mittelfristig Wettbewerbsvorteile schaffen können, vorgezogen. An den Börsen dürfte es daher langfristig weiter nach oben gehen – wenn auch vorerst wohl unter deutlichen Schwankungen. Für alle Anleger verheißt all das gleich dreimal gute Aussichten: Der persönliche Impftermin rückt näher, beim Einkaufen gibt es wieder mehr Möglichkeiten und mit einem breit investierten Wertpapierportfolio sollte man derzeit gut aufgestellt sein.

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Foto: dpa/PictureAlliance 

Text: Richard Haimann, Quelle: fondsmagazin.de
Stand: 29.03.2021

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Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juni 2020. Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.