Interview

„Die Basis für bessere Ergebnisse ist gelegt“

Die zweite Welle des Coronavirus steht vor der Tür, dabei hat die Weltwirtschaft die erste Welle noch nicht richtig verkraftet. Noch nie in der jüngeren Geschichte hatten die Aktienindizes rund um den Globus innerhalb kürzester Zeit so enorme Kursverluste verzeichnen müssen. Während die europäischen Aktienmärkte den Kursverlusten vom Frühjahr hinterherhinken, hat etwa die US-amerikanische NASDAQ bereits eine beeindruckende Aufholjagd hinter sich. Auch die Börse in Shanghai sowie der MSCI Far East ex Japan machten bereits ihre Verluste wett. Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka, erklärt das weltweite Ungleichgewicht der Aktienindizes.
 
Herr Schallmayer, sind die US-Technologiekonzerne so viel besser als der Rest der Welt?

Joachim Schallmayer: Auch in den USA ist nicht alles Gold was glänzt. Von den fast 3000 Unternehmen, die im NASDAQ notiert werden, sind es hauptsächlich lediglich sechs US-Technologieunternehmen, die mit ihrer hohen Gewichtung im Index und ihrer unglaublichen Performance den ganzen Index in die Höhe ziehen.
 
Wer sind diese Unternehmen?

Das sind die Monopol-Technologiefirmen. Also Apple, Facebook, Amazon, Netflix, Microsoft und Alphabet.
 
Warum kann aber der etablierte Dow Jones nicht mit der Technologiebörse Schritt halten?

Ganz einfach, die oben erwähnten sechs Firmen sind bis auf zwei Ausnahmen nicht im Dow Jones notiert. Apple und Microsoft sind zwar auch im Dow Jones notiert, dort aber mit einem geringeren Gewicht enthalten als im NASDAQ Index.
 
Aber was haben die „Sechs“ in der Krisenzeit besser als die anderen Unternehmen gemacht?

Offensichtlich einiges, denn es ist diesen Konzernen in der Summe trotz Krise gelungen, ihre Unternehmensergebnisse weiter zu steigern und damit an ihren positiven Gewinntrend der letzten Quartale anzuknüpfen. In einem Umfeld, in dem die meisten anderen Unternehmen einen herben Ergebniseinbruch zu verkraften haben, fällt dies dann ganz besonders auf. Gleichzeitig zeigt es, dass die genannten Konzerne die Lösungen im Angebot haben, die in Zeiten von „social distancing“ und „home office“ stark nachgefragt wurden: Lösungen für ortsunabhängiges Arbeiten sowie Dienstleistungen fürs Onlineshopping. Allein der Umsatz von Amazon kletterte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar an. Die mittlerweile erreichte Marktstellung kann jetzt zum vollen Vorteil ausgespielt werden.
 
Hat Europa und besonders Deutschland diesen sechs Unternehmen nichts entgegen zu setzen?

Leider nein. Daher haben die zyklischen Komponenten hier viel stärker durchgeschlagen.
 
Was müsste sich in Deutschland ändern, damit die heimische Wirtschaft resistenter gegen solch eine Pandemie wäre?

Zunächst einmal muss man sagen, dass Deutschland bislang verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen ist, das gilt sowohl für die Infektions- und Todesfallzahlen als auch für den wirtschaftlichen Einbruch. Denn die Pandemie zeigt nicht nur die Schwachstellen, sondern auch die Stärken von Deutschland auf, etwa im Gesundheitssystem oder die Anwendung von wirtschaftlichen Stabilisierungsfaktoren wie dem Kurzarbeitergeld. Dennoch gilt es gerade jetzt, die Schwachstellen, die ja schon vor Corona bestanden, mit erhöhtem Handlungsdruck anzugehen. Und da sind wir halt wieder bei den altbekannten Dingen wie der Digitalisierung und den Veränderungen in der Industrie- und Fertigungsstruktur. Corona könnte hier durchaus auch einen wertvollen Veränderungsimpuls auslösen und notwendige Strukturveränderungen beschleunigen.
 
In China hat die weltweite Coronakrise ihren Ursprung genommen. Wie erklären Sie sich die schnelle Erholung im Reich der Mitte?

Asien hat eine wesentlich größere Grundgeschwindigkeit im Wachstum der Volkswirtschaften. Das hilft in einer solchen Krise natürlich enorm. China hat bereits schon wieder eine Wirtschaftsleistung erreicht, die höher als vor der Krise ist. Dass die Erholung in diesem Jahr in dieser Region dynamischer als anderswo verläuft, hängt aber auch damit zusammen, dass der Einbruch dort zeitlich früher stattgefunden hat, als in anderen Regionen der Welt.
 
Die zweite Welle des Coronavirus breitet sich zunehmend aus. Glauben Sie, dass die weltweiten Aktienindizes wieder so stark nachgeben könnten oder ist das Schlimmste bereits eingepreist?

Wir befinden uns bereits voll in der zweiten Welle. Das Infektionsgeschehen steigt aktuell wieder deutlich an und führt zu einer erhöhten Verunsicherung, auch an den Kapitalmärkten. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn niemand ist dazu in der Lage, mit Sicherheit die bei Covid-19 zu erwartenden Infektions- und Krankheitsverläufe zu prognostizieren. Aufgrund der mittlerweile gesammelten Erfahrungen gegenüber der ersten Welle im Frühjahr, ist aber mit deutlichen Unterschieden in den Reaktionsmustern zu rechnen. Damit sollte die zweite Welle mit weniger drastischen Einschränkungen und damit auch geringeren wirtschaftlichen Belastungen einhergehen. Die wirtschaftliche Erholung bleibt also zäh und von Rückschlägen geprägt, insgesamt aber intakt. Ein erneuter Rückfall in die Rezession ist nicht zu erkennen. Somit ist die Basis für eine verbesserte Ergebnisperspektive im Unternehmenssektor gelegt, was neben der expansiven Geldpolitik und der anhaltenden Unterstützung von der Fiskalpolitik für gute Rahmenbedingungen an den Aktienmärkten sorgt.

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Foto: DekaBank

Stand: 02.10.2020, Text: Michael Merklinger,
Quelle: fondsmagazin.de


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