Coronavirus

Makro-Morgenkommentar zur Corona-Krise

Seit das Coronavirus so richtig in Europa und den USA angekommen ist, gibt es kein anderes Thema mehr für Konjunktur und Kapitalmärkte. Was gestern noch unwahrscheinlich bis unmöglich erschien, ist heute schon Realität.

So wird dieser Makro-Morgenkommentar täglich jeweils ausgewählte wirtschaftspolitische Entscheidungen und Maßnahmen, Entwicklungen an den Kapitalmärkten oder relevante Entwicklungen der Corona-Krise beleuchten, um Anlegerinnen und Anlegern Halt und Orientierung zu bieten.

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Die USA mit unschönen Hinguckern für die Märkte

Die Zentralbanken haben die Anleihemärkte derzeit fest im Griff: Die Europäische Zentralbank (EZB) begann am gestrigen Donnerstag mit aggressiven Käufen im Rahmen des wegen der Corona-Krise neu initiierten PEP-Programms (Pandemic Emergency Purchase Program). Die monatlichen Nettokäufe der EZB im Rahmen des bis Ende 2020 laufenden Programms dürften bei über 100 Mrd. Euro pro Monat liegen und damit die europäischen Anleihemärkte maßgeblich beeinflussen. In diesem Umfeld dürften die Renditen von Anleihen mit höherer Bonität extrem niedrig bleiben. Zudem gehen die kurzzeitig stark gestiegenen Zinsaufschläge von Emittenten mit etwas schwächerer Bonität wieder zurück. Ein Beispiel dafür, wie die Ankündigung des PEP-Programms bereits gewirkt hat: Der Zinsaufschlag von zehnjährigen italienischen Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen engte sich seit dem 17. März von der Spitze bei etwa 280 Basispunkten auf zuletzt rund 160 Basispunkte ein.

Vorsichtig formuliert scheinen die vielfältigen seitens der Regierungen und Notenbanken ergriffenen Maßnahmen den Prozess der Bodenbildung an den risikobehafteten Wertpapiermärkten eingeleitet zu haben. Es gib freilich ein markantes „ABER“, das die drei großen Buchstaben „USA“ trägt. Die USA hinken hinsichtlich der Ausbreitung des Coronavirus eine gute Woche hinter Europa her. Die Dynamik der Neuinfektionen ist in den USA bislang ungebrochen. Seit gestern gibt es in den USA mehr mit dem Coronavirus infizierte Menschen als in China – ein trauriger Rekord.

Damit rückt der Fokus der Corona-Krise nun zwangsläufig auf die USA, die größte Volkswirtschaft mit dem größten und wichtigsten Kapitalmarkt der Welt. Eine rasche Lockerung des dortigen Stillstands („Shutdown“) innerhalb kürzester Zeit, wie es US-Präsident Trump wünscht, erscheint zunehmend unrealistisch. Mit dieser Unsicherheit über den perspektivischen Erholungsverlauf der US-Volkswirtschaft müssen die Aktienmärkte noch weiter umgehen, was einer raschen und nachhaltigen Markterholung entgegensteht.

Dazu passen die aktuellen Daten: In einer Woche wird der US-Arbeitsmarktbericht für März veröffentlicht. Auf ihn werden sich alle Augen der Finanzmarktteilnehmer richten. Gestern gab es erste Signale für die dramatischen Daten, die uns nächste Woche erwarten: Der extrem scharfe Anstieg der wöchentlich gemeldeten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe von Niveaus um die 300.000 Personen auf historisch nie gesehene 3,28 Millionen Anträge unterstreicht die rapide Verschlechterung des Arbeitsmarkts in den USA als unmittelbare Folge des Shutdowns. Dabei dürfte im Märzbericht zwar ein auffallend deutlicher Beschäftigungsabbau gemeldet werden, das ganze Ausmaß wird aber wohl erst später sichtbar werden. Sollte der Shutdown über Ostern hinaus anhalten (was durchaus wahrscheinlich ist), wird der Arbeitsmarktbericht für April bei der Veröffentlichung am 8. Mai wohl für Schnappatmung an den Börsen sorgen. Die heutige schwächere Markteröffnung beim DAX ist mit rund minus zwei Prozent nicht gravierend, passt aber zu dem zähen Prozess einer mühsamen, langsamen Bodenbildung in Zeiten der Corona-Krise.

Stand: 27.03.2020


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