Coronavirus

Aktuelle Bewertung für die Anlageklassen

Die Aktienmärkte haben sich nach außergewöhnlich starken Kursgewinnen der vergangenen Monate zuletzt seitwärts entwickelt. In unseren Augen handelt es sich hierbei nur um eine temporäre Konsolidierung. Die jüngsten realwirtschaftlichen Daten stützen die Erwartung einer schnellen konjunkturellen Erholung und sorgen für eine stabile Nachfrage nach Aktien. Wir empfehlen daher schwächere Notierungen als Kaufgelegenheit und zur Aufstockung bestehender Positionen zu nutzen. Zwar preisen viele Indizes bereits eine „V-förmige“ Erholung der Wirtschaft ein, gleichzeitig befinden sich die Anlagen in Geldmarktfonds weiterhin auf Rekordniveau und die Mehrzahl der Investoren ist auf der Aktienseite noch immer deutlich unterrepräsentiert. Die im historischen Kontext augenscheinlich hohe Bewertung ist zum aktuellen Zeitpunkt des Zyklus nicht ungewöhnlich und reflektiert einen starken Einbruch der Unternehmensgewinne im Zuge der Rezession. Dieses Bild relativiert sich jedoch im Vergleich mit anderen Anlageklassen und auch im Hinblick auf ein erwartetes Gewinnwachstum von etwa 30 Prozent im kommenden Jahr.
 
Das größte Risiko geht derzeit von einer zweiten Infektionswelle mit dem Coronavirus aus. Zwar halten wir einen erneuten globalen „lock-down“ wie im März und April für wenig wahrscheinlich. Gerade in einigen Schwellenländern aber auch in den USA scheint die Situation jedoch keineswegs unter Kontrolle. Zahlreiche US-Bundesstaaten sahen sich zuletzt gezwungen den Lockerungsprozess zu stoppen und teilweise wieder restriktivere Maßnahmen einzuführen. Dies könnte den Erholungsprozess zumindest kurzfristig dämpfen und die Stimmung an den Märkten belasten. Ein Grund weshalb wir in der taktischen Allokation auf der Aktienseite aktuell neutral gewichtet sind, während die mittel- bis langfristige Einschätzung unverändert positiv bleibt.
 
Zusätzlich zur Aktienanlage präferieren wir weiterhin Investitionen in Unternehmensanleihen. Insbesondere Emittenten mit guter Bonität (Investment Grade) profitieren neben der konjunkturellen Erholung von den enormen Kaufprogrammen der EZB und US-Notenbank. Trotz einer zuletzt deutlichen Spreadeinengung bewegen sich die Risikoprämien im historischen Vergleich noch immer auf stark erhöhten Niveaus. Gerade in einem Umfeld anhaltend tiefer bzw. negativer Zinsen scheinen Unternehmensanleihen innerhalb der festverzinslichen Anlagen mittlerweile fast schon alternativlos.


Stand: 06.07.2020

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Jörg Boysen, Deka-Chefanlagestratege


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