Coronavirus

Makro-Kommentar zur Corona-Krise

Seit das Coronavirus so richtig in Europa und den USA angekommen ist, gibt es kein anderes Thema mehr für Konjunktur und Kapitalmärkte. Was gestern noch unwahrscheinlich bis unmöglich erschien, ist heute schon Realität.

So wird dieser Makro-Morgenkommentar täglich jeweils ausgewählte wirtschaftspolitische Entscheidungen und Maßnahmen, Entwicklungen an den Kapitalmärkten oder relevante Entwicklungen der Corona-Krise beleuchten, um Anlegerinnen und Anlegern Halt und Orientierung zu bieten.

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DAX wieder fünfstellig – Neuinfektionszahlen „über den Berg“?

In der Corona-Krise sind die letzten Wochen an den Börsen wie im Zeitraffer verlaufen. Bei seinem Absturz kam der DAX von knapp 14.000 Punkten (am 18.02.20) und durchstieß am 12.03.20 die 10.000er-Marke nach unten. Gestern schloss der DAX bei 10.075 Punkten mit einem Plus um 5,8 % und eröffnete heute freundlich. Dieses Aufatmen an der Börse hat einen Grund: aufkeimende Hoffnungen auf eine langsamere Ausbreitung des Coronavirus.

Tatsächlich ist die Entwicklung der Infektionszahlen elementar für die Entwicklung von Konjunktur und Kapitalmärkten im weiteren Jahresverlauf. Sollten wir bei der Ausbreitung des Coronavirus „über den Berg sein“, dann wären die Märkte wohl bereit, durch den noch vor uns liegenden Berg von schlechten Nachrichten „hindurchzusehen“, die aus dem verordneten Stillstand der Volkswirtschaften resultieren. Mit einem nachhaltig positiven Börsentrend rechnen wir erst im zweiten Halbjahr 2020. Zunächst erwarten wir noch stark schwankende Kurse mit einzelnen Rückschlägen, denn es gibt noch viel zu verarbeiten:

  • Die Konjunkturindikatoren für März/April werden zum Großteil katastrophal ausfallen. Der sentix-Befragungsindikator bei Finanzanalysten offenbarte gestern einen Rekordrückgang, der immerhin ausschließlich lagegetrieben war. Die Erwartungen der Befragten haben sich dagegen schon wieder verbessert.
  • Nach Ford am Freitag haben gestern auch Audi und BMW ihre Produktionsstopps bis Ende April verlängert.
  • Die Schätzungen der Analysten hinsichtlich der zu erwartenden Unternehmensgewinne sind noch deutlich zu hoch und werden im Laufe der anstehenden Berichtssaison weiter nach unten revidiert werden müssen.

Um die Belastungen für Unternehmen und private Haushalte abzumildern, bessern die Regierungen finanzpolitisch nach. Gestern wurde bekannt, dass in Japan ein großes Konjunkturpaket geschnürt wird. Die deutsche Bundesregierung legt nach, denn für mittelständische Unternehmen hatte es offenkundig eine Förderlücke gegeben, die nun geschlossen werden soll. Auch soll es nun Kreditzusagen mit 100-prozentiger Absicherung geben, um den Vergabeprozess über die Banken zu beschleunigen.

Die Grundannahme aller Stützungsmaßnahmen ist, dass es sich um eine temporäre Krise handelt. Speziell in Deutschland, aber mit dem Vorstoß der EU-Kommission auch auf europäischer Ebene, soll das Kurzarbeitergeld einen wichtigen Beitrag leisten, um das schnelle Hochfahren der Produktion nach der Krise zu begünstigen. Denn mit ihm können die Unternehmen ihre Belegschaften weitgehend halten. Laut einer gestern bekannt gewordenen Studie von IW Consult könne das Ausmaß des Wirtschaftseinbruchs damit deutlich verringert werden.

So weit, so gut, aber zunächst muss Geld in die Hand genommen werden. Geld, das für viele Staaten und Unternehmen knapp ist. Aktuell nimmt der Zug der Bonitätsherabstufungen Fahrt auf. Fragen der Finanzierung spielen an den Unternehmensanleihemärkten bereits eine große Rolle. Bezüglich der Staatsanleihemärkte melden sich Ende April die Ratingagenturen zu Wort. Heute wird ab 15 Uhr per Videokonferenz in der Eurogruppe diskutiert, wie die finanzielle Solidarität in Zeiten der Corona-Krise aussehen kann.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: Österreich und Dänemark wollen direkt nach Ostern mit einer ersten Lockerung des Stillstands beginnen.

Stand: 07.04.2020


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